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Aus der Region

Engagement für ein Kleinod

Förderverein kümmert sich um ein 1000 Jahre alte Wipertikirche in Quedlinburg

Die Wiperti-Kirche in Quedlinburg. Foto: Uwe Naumann Quedlinburg - Am westlichen Stadtrand von Quedlinburg befindet sich ein eher unscheinbarer, aber sehr geschichtsträchtiger Ort: die über 1000-jährige St.-Wiperti-Kirche. 1995 gründete sich ein Förderverein, der sich für den Erhalt der Kirche engagiert.

In der Bekanntheit liegt sie zwar etwas im Schatten des Quedlinburger Weltkulturerbes von Stiftskirche, Schloss und Altstadt, trotzdem finden bis zu 12 000 Touristen jährlich den Weg in die St.- Wiperti-Kirche in Quedlinburg. Siegfried Wagner zum Beispiel hat sich an einem sonnigen Dezembertag von seiner Reisegruppe im Stadtzentrum getrennt, um sich auf die Spuren frühester deutscher Geschichte zu begeben. Der Tourist aus Hannover will jenen Ort besuchen, wo vor über 1000 Jahren Heinrich I. seinen Königshof errichtete.

Hier errichtete König Heinrich I. seinen Hof

Normalerweise stünde Wagner im Winter hier vor verschlossenen Türen, doch er hat Glück. Denn zur gleichen Zeit ist Martin Reis in der Kirche. Der Vorsitzende des Fördervereins St. Wiperti will die neuen Kirchenfenster fotografieren, die in diesen Tagen dank zweier großzügiger Spenderinnen an der Ostseite eingebaut werden konnten. Zunächst aber stellt er dem Touristen die wechselvolle Geschichte der Kirche vor. Im zehnten Jahrhundert als romanische Basilika gebaut, gehörte St. Wiperti zum Königshof Heinrich I. Im zwölften Jahrhundert hielten die Prämonstratenser Einzug, errichteten ein Kloster und bauten die Kirche gotisch um. Später wurde sie mehrmals zerstört, nur teilweise wiederaufgebaut und nach der Reformation evangelische Pfarrkirche.

Ganz und gar zweckentfremdet war das Gebäude ab 1812: Jahrzehntelang als Scheune genutzt und verbaut hatte es ab 1936 die SS für sich als Weihestätte entdeckt. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte schließlich die Sicherung des Hauses und der Umbau zur Kirche, so dass sie 1959 wieder als Gotteshaus geweiht werden konnte. Seither hat die Pfarrgemeinde St. Mathilde das Nutzungsrecht. Weil aber eine Heizung fehlt, werden in der Filialkirche nur in den wärmeren Monaten Gottesdienste gehalten. In der Adventszeit finden in der Krypta Roratemessen statt.

Wechselvolle Geschichte eines Gotteshauses

Die noch aus ottonischer Zeit stammende Krypta ist der Höhepunkt der kleinen Führung für den staunenden Touristen aus Hannover. Beleuchtet und mit Bänken ausgestattet ist die niedrige Unterkirche seit kurzer Zeit auch verglast, um sie besonders im Sommer vor zu großen Temperaturunterschieden zu schützen. Das ist nur eine der vielen Baumaßnahmen, die dem Förderverein St.-Wiperti-Kirche zu verdanken sind. Bereits gesorgt wurde für das Dach, eine neue Elektrik und jüngst nun für die drei großen farbigen Fenster an der Ostseite. "Seit 1998 haben wir rund 400 000 Euro investiert", bilanziert Reis. Finanzieren konnte das der rund 80 Mitglieder zählende Verein zum Großteil aus Fördermitteln und Spenden. Aber auch Eigenmittel, zum Beispiel aus Benefizkonzerten flossen mit ein. "In nächster Zeit wollen wir uns um den Innenputz der Kirche kümmern", sagt Martin Reis perspektivisch. "Die Gespräche mit dem Denkmalschutz laufen schon."

Für Besucher Wagner ist der Putz nicht so wichtig. Er verlässt beeindruckt St. Wiperti und freut sich, dass sich sein Abstecher an den Stadtrand gelohnt hat.



Informationen

Geöffnet April bis September: Mo. bis Sa. 10-12 Uhr und 14-17 Uhr. Sonst nach Vereinbarung Tel.: (0 39 46) - 91 50 82 /-83 /-84

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 1 des 57. Jahrgangs (im Jahr 2007).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 04.01.2007

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