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Anstoß

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Herbergssuche heute

Guido Erbrich

"Hallo, lieber Gott!" Meine kleine Tochter klatschte begeistert in die Hände, als unser Nachbar bei uns klingelte. Der schaute genauso überrascht wie ich. Trotz seines Bartes, den lieben Gott habe ich mir anders vorgestellt und mein Nachbar sicher auch.

Aber wie stelle ich mir Gott vor? Weißer Bart und langes Gewand passen nicht in unsere Zeit. Ist Gott vielleicht irgendein unfassbarer Geist, eine Idee, die irgendwie über den Wolken thront? Ehrlich gesagt, so richtig weiß ich das nicht.

Mir Gott vorzustellen, fällt schwer. Wie er in seinem Sohn in die Welt kommt, ist auch nicht leichter zu glauben. Oder feiern wir Weihnachten nur, um die alte schöne Geschichte von Kind, Krippe, Ochs und Esel mit "Stille Nacht, heilige Nacht" zu krönen?

Will ich Weihnachten verstehen, ist es gut wenigstens eine Idee zu haben, wo ich Gott in dieser Welt treffen kann. Wenn ich schon nicht weiß, wie er aussieht, habe ich trotzdem die Chance, ihm zu begegnen. Das ist einfacher als man glaubt.

"Wenn Gott nicht auch in dir geboren wird, fi ndet Weihnachten nicht statt." Dieser schöne Spruch findet sich auf moderneren Weihnachtskarten. Das kann ich auch von der anderen Seite sehen: Wenn Gott in jedem Menschen geboren werden kann, dann hat natürlich auch mein Nachbar, mein Nächster(!), eine Chance, Gott in sich zu tragen. Und wenn Gott für alle Menschen auf diese Welt gekommen ist, dann kann ich ihm begegnen. Weihnachten, das Fest der Geburt Christi umfasst drei Zeiten. Die Vergangenheit erzählt von der Erinnerung an die Geburt Jesu, so wie wir Menschen sie uns vorstellen. Die Zukunft zeigt hoffend auf die Wiederkehr Christi, am jüngsten Tag, wann immer dieser stattfi ndet – im Augenblick unseres Todes oder in einer fernen Zukunft. Beides liegt zeitlich vermutlich weit weg. Bleibt die Gegenwart. Und die ist Weihnachten das Entscheidende! Diese Gegenwart Gottes feiern wir!

Gott wird so in diese Welt geboren, dass ich ihm in meinem Nächsten begegnen kann. Und noch mehr, er biete sich an, in mir selbst zur Welt zu kommen. Zu Weihnachten, zu Ostern, das ganze Jahr hindurch. Laden wir Gott ein, bei uns ein Zuhause zu fi nden. Schauen wir in die Augen unserer Nachbarn, vielleicht erkennen wir ihn dort schneller, als wir denken. Wir müssen ihn ja nicht gleich mit "Hallo, lieber Gott" erschrecken. In diesen Tagen reicht es, "Frohe Weihnachten" zu wünschen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.01.2007

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