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Bistum Magdeburg

Kreuze stehen für Tod und Leben

Halle: Uni-Klinikum Kröllwitz hat nun endlich einen Raum der Stille

Seelsorgeamtsleiter Ulrich Lieb segnet den Raum der Stille im Uniklinikum Halle-Kröllwitz. Links die Krankenhausseelsorger Konstanze Hamann, Pater Wolfgang Schönberg OFM und Pfarrerin Christine Keller. Foto: Eckhard Pohl Halle - Nach langjährigem Ringen und vielen Bemühungen ist am 14. Dezember im Universitätsklinikum Halle- Kröllwitz ein Raum der Stille eingeweiht worden.

Vertreter des Universitätsklinikums der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und die Klinikseelsorger des Krankenhaus- Komplexes weihten am 14. Dezember einen "Raum der Stille" ein. Dieser Raum bietet Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern die Möglichkeit zur Besinnung, zum Nachdenken und Gebet. Zudem finden dort Gottesdienste statt.

Am Anfang fehlte das Geld für einen Raum der Stille

Der Raum wurde von Professor Ludwig Ehrler von der Hochschule für Kunst und Design in Halle gestaltet. Finanziert wurde er unter anderem durch Spenden von Einzelpersonen, Gemeinden, des Universitätsklinikums, des Bistums und der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, aber auch von Klinikmitarbeitern und nicht zuletzt Medizinstudenten. Von den Studierenden sei eine "erhebliche Summe" gekommen, darauf wies der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Stephan Zierz, hin. "Dass die Studenten eine Sammlung starteten, zeigt", so Zierz, "dass es bei der Finanzierung Probleme gab." Beim Neubau des riesigen Klinikums sei kein Raum der Stille und erst recht keine Kapelle vorgesehen gewesen, so dass es schwer war, im Nachhinein dafür Geld zu beschaffen. Zudem habe es Diskussionen darüber gegeben, dass die von Professor Ehrler gestaltete Kapelle zu stark christlich geprägt sei.

Auf Letzteres ging der evangelische Propst von Halle, Martin Herche in seinem Grußwort ein. Er wünschte allen Muslimen, die den Raum der Stille besuchen, "den Freimut des Papstes", der in der Moschee von Istanbul gemeinsam mit den muslimischen Geistlichen gebetet habe. Seelsorgeamtsleiter Ulrich Lieb machte deutlich, wie der Raum der Stille für Patienten, Angehörige und Klinikmitarbeiter zum Ort des Segens werden kann und dass Stille und Segen eng miteinander zusammenhängen. Beide Geistlichen segneten den neu gestalteten Raum. Privat-Dozent Thomas Klöss, erst seit einem Jahr Ärztlicher Direktor, sagte, das Universitätsklinikum mache mit der Einrichtung des Raumes der Stille deutlich, dass die Betreuung über die medizinische Behandlung hinaus ernst genommen werde.

Ein "kleines Abbild einer Kirche"

Für Professor Ehrler ist der Raum das "kleine Abbild einer Kirche". Vor einem schwarz-weißgoldenen Hintergrund in Form eines ausgebreiteten priesterlichen Gewandes hängte der Künstler 560 papierne Kreuze auf. Von dem "Mantel" gehe eine Geste der Geborgenheit und des Segens aus, die sich ständig leicht bewegenden Kreuze sorgen für Ruhe und Konzentration. Die weißen Kreuze stehen für das Leben, Schwarz für den Tod und Gold für die Wirklichkeit Gottes. Die Bewegung der Kreuze symbolisiere Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit.

Nach dem Willen der Klinikseelsorger soll der Raum "eine Oase der Ruhe" werden, in der es möglich ist, sich vor Gott zu bringen oder zumindest ein Stück Abstand von den Problemen des Lebens zu fi nden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 51 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 01.01.2007

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