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Anstoß

Damit die Güter der Erde uns nicht besitzen

Eine Herausforderung für uns alle

Pater Damian Meyer

Wer in diesen Tagen durch ein weihnachtlich ausgestattetes Kaufhaus geht, begibt sich in eine Stimmungslage, die in ihm verschiedene Wünsche weckt. Er muss sich fragen: Bin ich wirklich frei genug, mich der raffinierten Werbung zu widersetzen und nachzudenken, ob ich eine bestimmte Sache wirklich brauche, oder ob ein Geschenk das rechte ist. Er wird sich auch sagen: Auf diesen oder jenen Artikel zu verzichten, dazu zwingt mich schon mein Geldbeutel. Ist das aber eine wirklich freie Entscheidung?

Wenn wir auch heute in einer Zeit des Überangebots an Waren leben, ist doch die Grundfrage, wie wir mit den Dingen umgehen, uralt. Der heilige Papst und Kirchenlehrer Gregor der Große – verstorben im Jahr 604 – sagt in einer seiner Predigt etwas, was für uns heute genau so aktuell ist wie für seine Zeitgenossen: "Wenn ihr nicht alles Irdische verlassen könnt, so haltet es wenigstens nicht so fest, dass ihr durch das Irdische in der Welt festgehalten werdet. Das irdische Gut soll euer Besitz sein, aber euch nicht besitzen. Was ihr habt, soll unter der Herrschaft des Geistes stehen; denn wenn sich euer Geist von der Liebe zu den Gutem der Erde überwältigen lässt, dann besitzen diese Güter ihn selbst." Gregor meint weiter, "das Irdische, das wir gern haben, soll unserem Leib so weit dienen, dass es kein Hindernis für das Herz bedeutet." Was meint er mit "Herz"?

Die Mitte des Menschen, in der der Stoff sitzt, aus dem seine wahren Sehnsüchte und Bedürfnisse bestehen: Die Sehnsucht nach Anerkennung seiner Würde, die Sehnsucht nach Verständnis und Geborgenheit, nach Zuwendung und Liebe, die Sehnsucht nach einem vollen und erfüllten Leben. Wenn die Dinge, die wir kaufen oder verschenken, uns in irgendeiner Weise dazu helfen, die tiefsten Sehnsüchte in uns zu erfüllen oder auch nur wach zu halten, dann dienen sie ihrem Zweck.

Die Adventszeit und Weihnachten, das auch von der Werbung als "Fest der Liebe" instrumentalisiert wird, ist für uns die große Herausforderung, uns nach dem Wesentlichen und Wichtigen in unserem Leben zu orientieren, so dass wir die Dinge besitzen, aber die Dinge nicht uns.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 20.12.2006

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