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Ein Weg zum Erfolg

Das Triple-P-Erziehungsprogramm

Diplom-Sozialpädagogin und Triple-P-Einzeltrainerin Jacqueline Schmidt im Beratungsgespräch. Impulse und Unterstützung beim Intensiven Triple-P-Einzeltraining bietet den Familien ein Familienhandbuch. Foto: Caritas Merseburg - Am 22. und 23. November haben die Caritas und das jeweilige Jugendamt in Halle und Merseburg ihre Erfahrungen mit dem Pilotprojekt "Intensives Triple P – Einzeltraining" präsentiert. Erstmals in Deutschland wurde dieses Elternprogramm bei Familien zu Hause erprobt.

Mandy (Name geändert) ist 13 Jahre alt. Wenn sie morgens aufstehen sollte, gab es oft schon die erste Auseinandersetzung mit ihrer Mutter, weil sie keine Lust dazu hatte. Dementsprechend zog sich dann auch das Waschen und Fertigmachen hin, ein Zu-spät- Kommen in der Schule war vorprogrammiert. Wiesen die Lehrer Mandy darauf hin, wurde sie laut und bockig. Ihre Leistungen waren mäßig. Wenn Mandy dann aus der Schule nach Hause kam, gab es die nächsten Auseinandersetzungen. Und am Abend war es schwierig, sie davon zu überzeugen, pünktlich ins Bett zu gehen. Da Mandy hyperaktive Störungen zeigte, wurde sie in psychiatrische Behandlung geschickt. Doch der Umgang mit ihr wurde nicht leichter. Mit Hilfe des Jugendamtes Merseburg / Querfurt wurde die Mutter von Mandy dann mit Triple P (steht für drei P`s: (englisch:) Positive Parenting Program, also positives Erziehungsprogramm) bekannt gemacht und vereinbart, dass eine Sozialarbeiterin die Familie aufsuchen wird.

"Am Beginn des Intensiven Triple-P-Einzeltrainings steht natürlich das Kennenlernen", sagt Diplom-Sozialpädagogin Jacqueline Schmidt. "So war es auch in der Familie von Mandy. "Wir haben die Situation analysiert und im Laufe der nächsten Treffen in der Familie des jungen Mädchens Schritte vereinbart, wie Tochter und Eltern zu einem besseren Miteinander fi nden können."

Mit dem individuellen Triple- P-Training sind im Laufe von drei bis sechs Monaten bis zu 25 Sitzungen verbunden. Bei den Trainings zu Hause wird vieles mittels Rollenspiel erarbeitet. Zwischen den Treffen haben die Eltern auch schriftliche Aufgaben zu erledigen, die Kinder und Jugendlichen werden gegebenenfalls einbezogen. Für die Arbeit steht den Eltern ein spezielles Familienhandbuch mit CD zur Verfügung.

"Der Schwerpunkt wird zunächst auf die positive Beziehung zwischen Eltern und Kind gelegt", erläutert die Leiterin des Caritas-Bereichs Merseburg, Angelika Seifert. Dafür sei natürlich Aufmerksamkeit und Zeit für einander erforderlich. Im Laufe der Trainings geht es darum, die positiven Dinge im Miteinander herauszustellen, sich entwickelnde Konfl ikte im Vorfeld zu erkennen und zu verhindern, verlässliche, klare Absprachen zu treffen. Um die jungen Leute zu bewegen, ihr Verhalten in besonders Konfl ikt beladenen Bereichen zu verändern, sollen die Eltern mit ihren Kindern Verhaltensverträge vereinbaren.

Angelika Seifert hält das Triple- P-Einzeltraining gerade für Familien mit erheblichen Schwierigkeiten für einen guten Weg, zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen Eltern und Kind zu kommen und den Eltern zugleich konkrete Handlungsorientierungen zu geben. Dabei müsse die Messlatte je nach Situation unterschiedlich hoch gehängt werden. "Triple P hat den Vorteil, dass sich schnell ein erkennbarer Erfolg einstellt, der wiederum motiviert", so Frau Seifert. "Und es macht Eltern deutlich, wie sie eine für ihr Kind entwicklungsförderliche Atmosphäre schaffen können. Positiver Nebeneffekt dabei: Weniger Stress miteinander." Deshalb werde das Triple-P-Einzeltraining künftig in Merseburg und Halle in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Jugendamt praktiziert werden.

"Bei Mandy haben wir uns auf eine Punktekarte verständigt", erzählt Sozialpädagogin Schmidt. "Wenn Mandy zum Beispiel früh aufsteht, ohne rumzumaulen, und sich pünktlich zur Schule aufmacht, bekommt sie eine Blume. Wenn sie nachmittags ohne Streit mit der Mutter ihre Hausaufgaben macht, bekommt sie wieder eine Blume. Und so weiter. Ihre Eltern versprachen ihr: Wenn eine bestimmte Zahl von Blumen beisammen ist, werden sie sie einen Tag von der Schule abholen und mit ihr Essen gehen. Als es dann soweit war, war Mandy richtig stolz", so Frau Schmidt. "Und das Ganze hatte auch positive Rückwirkungen auf ihre beiden älteren Schwestern." Zugegebenermaßen habe das Programm bei Mandy und ihren Eltern, die sich sehr gut darauf eingelassen hätten, besonders gut geklappt, räumt die Sozialpädagogin ein. Aber das Beispiel zeige eben, dass es sich lohnt, mit Familien mit mangelnder Erziehungskompetenz und daraus resultierenden Schwierigkeiten zu arbeiten.



Informationen

Mehr dazu unter www.triplep.de und www.caritasverband-halle.de.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 01.12.2006

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