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Bistum Görlitz

"Wir würden nur rumhängen"

Trotz Haushaltslücken halten die Stadt Peitz und die Caritas am Kinder- und Jugendhaus fest

Martin Tzschentke (rechts) gehört zu den regelmäßigen Besuchern des Jugendhauses, wo er am liebsten Billard spielt. Foto: Christoph Neumann Peitz - Die Jugendarbeit ist der Caritas ein wichtiges Anliegen. Wenn auch mit einigen Blessuren – in Peitz wird es im nächsten Jahr weitergehen.

Der Verband bleibt weiterhin Träger des Kinder- und Jugendhauses der Stadt. Am 24. November wurde der neue Vertrag unterzeichnet, auf dessen Grundlage die bereits fünf Jahre währende Tätigkeit fortgesetzt wird. "Allerdings mussten wir eine Kröte schlucken. Die beiden angestellten Sozialpädagoginnen werden insgesamt 24 Wochenstunden weniger arbeiten als bisher", sagte Bernd Lattig, Leiter der Caritas- Kreisstelle Cottbus. "Das ist mit Gehaltseinbußen verbunden, entlastet aber die Stadt."

Die Kommune steuert im laufenden Jahr 48 000 Euro zu den Personalkosten bei. Angesichts eines Haushaltsdefizits von eineinhalb Millionen Euro stellten die Stadtverordneten jedoch alle freiwilligen Leistungen auf den Prüfstand, so auch den Zuschuss an die Caritas. In mehrmonatigen Verhandlungen haben sich beide Seiten darauf geeinigt, dass die Stadt künftig nur noch rund 22 000 Euro pro Jahr zuschießen wird. Einen weiteren Teil fördert der Landkreis über das 500-Stellen-Programm. Da auch für die Caritas das Ende der Fahnenstange erreicht war, blieb nur eine Reduzierung der Personalkosten über die Senkung der Wochenarbeitszeit übrig. Die Alternative wäre die zumindest vorübergehende Schließung des Hauses gewesen. Das aber wollte niemand, wie der stellvertretende Bürgermeister Andreas Pfennig deutlich machte: "Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Wenn wir uns heute nicht um die Kinder und Jugendlichen kümmern, werden wir in ein paar Jahren große Probleme haben."

Nun wird es ab Januar mit geänderten Öffnungszeiten weitergehen. "Wir werden versuchen, weiterhin jeden Tag zu öffnen und machen eben später auf und abends eher zu", fügt sich Jugendhausleiterin Doreen Riese in das Unvermeidliche. Dennoch möchten sie und ihre Kollegin Heike Zoch möglichst wenig Abstriche am vielseitigen Angebot machen. Ganz allein müssen sich die Sozialpädagoginnen nicht um die bis zu dreißig Besucher pro Tag kümmern: Bettina Wenzel leistet hier ein Freiwilliges Soziales Jahr, Karin Parnack schwingt ehrenamtlich in der Hobbyküche den Kochlöffel. Auf eine Möglichkeit, an zusätzliches Personal zu kommen, wies die familienpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im brandenburgischen Landtag, Monika Schulz hin: "Die Caritas sollte beim Eigenbetrieb Grundsicherung des Landkreises Spree-Neiße geeignete Arbeitskräfte, zum Beispiel für bestimmte Projekte, beantragen." Die Politikerin würdigte die Bemühungen der Stadt zum Erhalt der 1994 eröffneten Einrichtung, auch wenn er noch so schwer falle.

Dass sich die jungen Peitzer hier wohl fühlen, bestätigt Gymnasiast Martin Tzschentke (18): "Ich bin fast täglich hier, spiele gerne Billard oder an der Playstation." Andreas Hameister (17) ist froh, dass das Haus nicht geschlossen wird: "Wir würden doch sonst zu Hause rumhängen." Auch der Funkengarde des Karneval-Clubs Diebsdorf und der fünfköpfigen Schülerband "Faible", die mit eigenen Songs bei den Cottbuser Schülerkleinkunsttagen auftreten möchte, bleibt die Suche nach neuen Probenräumen erspart. Die Caritas jedenfalls will dafür sorgen, dass auch in Zukunft jugendliches Leben herrscht.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 01.12.2006

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