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Anstoß

Gottesdienstbesuch für Anfänger

Hinweise, die Sie beachten sollten

Guido Erbrich

Wenn Sie eine fremde Gemeinde zum Sonntagsgottesdienst heimzusuchen planen, ist folgendes Grundlagenwissen für Sie hilfreich.

Wundern Sie sich bitte nicht, wenn Sie ohne an der Tür aufgehalten zu werden, sofort hinein können. Dass keiner Sie und die anderen Anwesenden schon an der Tür begrüßt, macht deutlich, Sie befinden sich im Hause Gottes. Da er es ist, der Ihnen die Hände immer von Neuem entgegenstreckt, bedarf es keiner weiteren Berührungen. Suchen Sie sich, möglichst ohne ein Gemeindemitglied zu belasten, einen Platz in einer Bank.

Dass auch die Gemeinde sich nicht begrüßt und eine erhabene Ernsthaftigkeit herrscht, sollte Sie ermuntern, ähnlich griesgrämig den Sonntagmorgen zu begehen.

Versuchen Sie eines der ausliegenden Liederbücher der Marke "Gotteslob" zu erwischen. Sich darauf zu verlassen, dass ein Nachbar Sie mit hineinschauen lässt, macht Sie sonst sofort als Anfänger erkennbar.

Wundern Sie sich nicht, wenn mitten im Gottesdienst Ihnen Ihr Nachbar plötzlich den Frieden wünscht. Keine Angst, Sie haben nichts falsch gemacht. Das gehört zum Programm und geht schnell vorüber.

Wenn Sie nach Abschluss des Gottesdienstes die Kirche verlassen, versuchen Sie möglichst keinem zu nahe zu kommen. Vermutlich wird auch keiner Sie ansprechen wollen.

Kommen Sie wieder. Sie sind ein gern gesehener Gast!

Übertrieben? Sicher, in mancher Gemeinde ist das anders. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber, mal ehrlich und selbstkritisch: In den meisten Fällen wird es Gästen in unseren Kirchen ungefähr so gehen. Wie schön es ist, schon an der Tür begrüßt zu werden, kann in anderen Ländern und bei anderen Konfessionen erlebt werden. Wie entkrampfend es ist, wenn eine Gemeinde ihre Gäste auch begrüßt, kommt mittlerweile sogar in einigen deutschen Gemeinden vor. Und da müssen nicht unbedingt die Pfarrer und Gemeindereferenten ran.

Eine Möglichkeit ist, dass die Sonntagslektoren an der Tür alle empfangen, die kommen. Egal, ob sie zur Gemeinde gehören oder nicht. Und mit Gästen schon mal zwei Worte mehr wechseln. Oft sind diese dankbar, einen Ansprechpartner zu haben. Bei der Feier des Gottesdienstes ist es schön, wenn sich jeder der kommt dazugehörig fühlen kann. Auch ohne vorher einen Grundkurs zu absolvieren.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 27.11.2006

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