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Anstoß

"Der Herr ist da! Betrübt ihn nicht!"

Die heilige Elisabeth von Thüringen

Susanne Schneider

An diesem Sonntag wird in Deutschland der Volkstrauertag begangen. Und außerdem feiern wir den Namenstag der heiligen Elisabeth von Thüringen, die im Jahr 2007 ihren 800. Geburtstag hat.

Elisabeth war eine selten radikale Frau: Mit 19 Jahren Witwe und bereits mit 24 Jahren verstorben, war sie doch so durchscheinend für Christus, dass man heute noch das Gefühl hat, von ihrer Person gehe ein helles Licht aus.

Für Elisabeth von Thüringen wurde der erste offizielle Heiligsprechungsprozess in der Geschichte der katholischen Kirche angestrengt. Und das, obwohl sie kein Papst, kein Bischof, kein Mönch war, also die Hilfe und Unterstützung des Amtes in der Kirche nicht hatte. Elisabeth war eine Frau aus dem Laienstand. Trotzdem wurde sie sofort nach ihrem frühen Tod von den Leuten als Heilige und Freundin Gottes verehrt...

Auch unser ganzes Sozialwesen in Europa hat seine Wurzeln im christlichen Gedanken, den Armen, den Kranken, den Leidenden nicht einfach seinem Schicksal zu überlassen, sondern ihm tatkräftig zu helfen. Natürlich war das im Mittelalter nicht neu, erhielt aber durch Franziskus von Assisi in Italien und dann durch Elisabeth von Thüringen in Deutschland eine große Dynamik. Heute begründen wir dieses Verhalten mit der Menschenwürde aller Menschen.

Elisabeth war keine Sozialreformerin, sondern eine Heilige. Ihr ging es nicht in erster Linie darum, Strukturen zu ändern. Ihr Ziel war die Beziehung zu Christus, den sie in den Armen und Kranken wiederfand.

Und doch lässt sich an ihrem Leben exemplarisch ablesen, wie eine gelungene Gottesbeziehung alle anderen Beziehungen ins rechte Maß bringt und weitreichende Konsequenzen haben kann.

Elisabeth konnte zu ihren Begleiterinnen und Freundinnen sagen: "Wir müssen das, was wir haben, froh und gerne geben. Der Herr ist da! Betrübt ihn nicht!" Ihr Ziel war eine Änderung der inneren Einstellung des Gebenden: Keine Almosen, sondern die Armen wahrnehmen und ernst nehmen und ihnen durch die Gabe Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zukommen lassen.

Elisabeth erkannte in jedem armen Menschen den Menschen Christus. Sie erlebte: Wenn ich mich wirklich Christus zuwende, verliere ich die Welt und die Menschen nicht, sondern ich gewinne sie.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 20.11.2006

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