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Bistum Magdeburg

Nicht mehr zahlungsfähig

Zur Insolvenz des Kolpingbildungswerkes Sachsen-Anhalt

Magdeburg/Köln (tdh/kna) - Nach der Pleite des Kolping- Bildungswerkes Sachsen- Anhalt gGmbH hat der Vorstandsvorsitzende des Kolping-Bildungswerkes, Diözesanverband Magdeburg e.V., Markus Gorges (31), eingeräumt, dass die gemeinnützige GmbH "erst sehr spät" Insolvenz angemeldet hat.

Ihm sei heute klar, so Vorstandsvorsitzender Gorges (31) gegenüber dem Tag des Herrn, dass man diesen Schritt hätte früher gehen müssen, um die positiven Möglichkeiten eines Insolvenzverfahrens ausschöpfen zu können. So hätte zum Beispiel früher für die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld beantragt werden können. Stattdessen habe man sich lange an jeden Srohhalm geklammert. Nach Angaben von Gorges hätten er und sein Mitstreiter Georg Prick erst im September und Oktober "sehr viele Gespräche geführt", an deren Ende die Aufforderung an Geschäftsführer Roland Zimmermann stand, Insolvenz anzumelden. Die Gehälter konnten teilweise aber seit August nicht mehr gezahlt werden, wie Insolvenzverwalterin Sabine von Stein- Lausnitz sagte.

Das gemeinnützige Kolping- Bildungswerk Sachsen-Anhalt wurde vom Kolping-Bildungswerk, Diözesanverband Magdeburg e.V. gegründet, um das Anliegen, jedem jungen Menschen nach seinen Fähigkeiten zu einem Beruf zu verhelfen, gut umsetzen zu können. Es unterhält Berufsförderungszentren in Genthin, Halberstadt, Magdeburg und Oschersleben. Am 20. Oktober meldete das Bildungswerk Zahlungsunfähigkeit an, die Verbindlichkeiten gegenüber den Gläubigern belaufen sich nach Angaben der Insolvenzverwalterin auf 1,2 Millionen Euro. Die meisten der 45 Projekte des Bildungswerkes seien vermutlich zu retten. So seien die sechs Kindertagesstätten des Werkes bereits von anderen Trägern übernommen. Dennoch gingen zahlreiche der noch mehr als 50 Arbeitsplätze verloren, die ersten Kündigungen seien bereits ausgesprochen.

Zu wenig Bildungsmaßnahmen

Im Grunde, so Vorstand Gorges, ist das Konzept des Kolpingbildungswerkes Sachsen-Anhalt "tragfähig", wenn man sich auf bestimmte Bereiche beschränkt. Ursache der Insolvenz seien vor allem nicht erhaltene Aufträge für die Durchführung von Bildungsmaßnahmen. So habe man Anfang des Jahres nicht die Ausbildung von schwervermittelbaren Jugendlichen zum Koch, zur Köchin übertragen bekommen. Hintergrund: Die Bildungswerke würden sich gegenseitig unterbieten, um die Zuschläge zu bekommen, so Gorges. Hier gebe es aber Grenzen, wenn die Maßnahmen solide durchgeführt werden sollen. Außerdem hätten die vergebenden Behörden zunehmend weniger Geld zur Verfügung.

Eine weitere Ursache für die Insolvenz liege darin, dass Maßnahmen, die Jugendliche auf eine Berufsausbildung hinführen sollen und über das Equal-Programm des Europäischen Sozialfonds bezahlt werden, vorfinanziert werden müssten. Im Blick auf die aus der Magdeburger Stadtverwaltung zu vernehmenden Vorwürfe, Mittel, die für die Kindertagesstätten und ihre Mitarbeiterinnen bestimmt waren, seien möglicherweise anderweitig im Bildungswerk eingesetzt worden, sagte Gorges: Es habe eine "klare Kostenstruktur gegeben", wie auch Prüfungen gezeigt hätten. Die Kindergärten in Gerwisch und Lostau und die vier in Magdeburg seien übernommen worden, um sich "ein weiteres Standbein zu sichern" und der Aufgabe als katholischer Träger zu entsprechen. Er wolle auch in Zukunft nicht ausschließen, das sich das Kolping-Bildungswerk wieder für Kindertagesstätten engagiert. Zunächst aber sei eine "Neufindungsphase" nötig.

Vor sechs Jahren war bereits das Kolping-Bildungswerk Sachsen mit Schulden von rund 100 Millionen Euro in Zahlungsunfähigkeit gegangen. Durch die erneute Insolvenz sei ein beträchtlicher Imageschaden für den Kolpingverband zu befürchten, sagte Bundesgeschäftsführer Bernhard Hennecke, Köln, der Katholischen Nachrichten-Agentur. Hennecke warf dem Management vor, es habe leichtfertig die kommunalen Kitas übernommen, ohne die Folgekosten zu kalkulieren.

Nach Sachsen nun Sachsen-Anhalt

Nach Ansicht der Insolvenzverwalterin hat sich das Kolpingbildungwerk Sachsen-Anhalt wie seinerzeit das in Sachsen zusätzlich zu seinen Angeboten beruflicher Bildung für schwer vermittelbare Jugendliche "in ruinöser Weise" auf weiteren Geschäftsfeldern betätigt. Zudem kritisiert von Stein- Lausnitz, die Insolvenz sei sehr spät beantragt worden. Der gleiche Vorwurf wurde auch gegen das Kolpingbildungswerk Sachsen erhoben. Der Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes Sachsen- Anhalt, Roland Zimmermann, war Mitgeschäftsführer beim Kolping- Bildungswerk Sachsen und mit anderen Verantwortlichen wegen der dortigen Pleite angeklagt worden. Die Verfahren sind bis heute nicht abgeschlossen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.11.2006

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