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Bistum Görlitz

Noch zu viele Vorurteile

Malteser in Görlitz helfen Behinderten bei der Jobsuche

Firmenchef Mike Dralls (links) und Andreas Winkler bilden inzwischen ein gutes Team. Foto: Andreas Schuppert Görlitz - Behinderte Menschen haben es besonders schwer, eine Arbeitsstelle zu finden. In Görlitz hilft der Integrationsfachdienst unter dem Dach der Malteser.

Für Andreas Winkler (32) kam die Nachricht wie aus heiterem Himmel. Die Diagnose des Arztes lautete Krebs. Der gelernte Montageschlosser musste ins Krankenhaus: Operation, Chemotherapie. Über ein Jahr lang zogen sich die Behandlungen hin. Winkler wird wieder gesund, bekommt aber einen Schwerbehindertenausweis. Gerade der ist es, der ihn an der Arbeitsaufnahme, die er anstrebt, hindert: "Viele Firmen blocken sofort ab, wenn man sagt, dass man einen Behindertenausweis hat", ist seine Erfahrung. So wie ihm geht es vielen Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung: Flexibilität und Belastbarkeit sind eben gefragt.

Andreas Winkler gibt trotz vieler Absagen nicht auf und wendet sich an den Integrationsfachdienst, der für Görlitz und den Niederschlesischen Oberlausitzkreis unter dem Dach der Malteser arbeitet. Und er hat Glück. Seine Bereitschaft, dazuzulernen, und seine Zuverlässigkeit haben den Görlitzer Unternehmer Mike Dralls (33) überzeugt. "Wir haben uns entschlossen, ihn auf Probe aufzunehmen", sagte der Inhaber der Schädlingsbekämpfungsfirma "Destra", die in Görlitz, Bautzen und Löbau ansässig ist. Dralls gibt zu, dass er zunächst auch Bedenken hatte. Menschen mit einer Behinderung seien aber oft motivierter. "Mit dem Risiko einer schweren Erkrankung eines Mitarbeiters muss jeder Arbeitgeber leben", ist Dralls überzeugt. Beraten wurde der Unternehmer ebenfalls vom Integrationsfachdienst, vor allem über Fördermöglichkeiten, arbeitsrechtliche Fragen und in der Vermittlung von geeigneten Mitarbeitern.

Mike Dralls hat es jedenfalls nicht bereut, dass er Winkler eingestellt hat, ganz im Gegenteil. Die beiden verstehen sich gut und harmonieren miteinander. "Er ist wirklich eine Entlastung für mich." Für Ronald Jäger vom Integrationsfachdienst, der sowohl Betroffene als auch interessierte Unternehmen betreut, liegt hier das eigentliche Problem. "Bei vielen Betrieben bestehen immer noch Vorurteile gegenüber Behinderten", weiß er aus seiner Beratungspraxis. "Da wünscht man sich manchmal ein bisschen mehr Mut." Dennoch sei die Entwicklung in diesem Jahr positiv verlaufen. Vier Menschen mit einer Behinderung konnten in feste Arbeitsverhältnisse vermittelt werden. Der Beratungsbedarf, so Jäger, sei nach wie vor hoch. "In einer Region mit einer hohen Arbeitslosigkeit bleibt es jedoch schwierig, überhaupt geeignete Arbeitsplätze für Behinderte zu finden." Die Arbeit des Integratinsfachdienstes sei deshalb um so wichtiger. Unter dem Dach der Malteser kümmern sich seit Januar 2005 zwei Sozialarbeiter um die Betreuung, Beratung und Vermittlung von behinderten und schwerbehinderten Menschen



Kontakt

Integrationsfachdienst, Tel. (0 35 81) - 48 00 50 oder -51

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.11.2006

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