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Bistum Görlitz

"Stärker als wir glauben"

Pastoralkonferenz: Kirche muss die Öffentlichkeit suchen

Sich selbst auf die Schippe nehmen: Kaplan Marko Dutzschke (links) und Kaplan Daniel Laske beim Kabarett. Fotos: Andreas Schuppert Görlitz - Die Christen müssen sich stärker in der Öffentlichkeit engagieren und mit Geduld und Behutsamkeit auf ihre Umwelt eingehen. Das ist das Ergebnis der diesjährigen Pastoralkonferenz des Bistums Görlitz vom 16. bis 18. Oktober in Jauernick.

Die jährlich um das Fest der heiligen Hedwig, der Bistumspatronin, stattfindende Tagung versammelt die hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeiter in der Seelsorge. Kirche in den Diktaturen und in der pluralen Gesellschaft stand diesmal als Studienthema auf dem Programm, zu dem der Direktor des Heinrich-Theissing-Instituts für Zeitgeschichte in Schwerin und frühere Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Georg Diederich als Referent eingeladen war.

Die Säkularisierung in der Gesellschaft, so Diederich in einem seiner Referate, schreite weiter voran. Wenn man im Osten Deutschlands heute von 70 Prozent nicht christlichen Menschen ausgehe, bedeute dies aber nicht, dass das Land antireligiös sei. "Die Menschen im Osten Deutschlands sind eher religiös indifferent." Eine ausdrückliche Ablehnung des Glaubens sei nur bei einem geringeren Teil zu beobachten. "Hier hat die Kirche ein breites Missionsfeld." Die Bedeutung der Kirchen während der Wende habe gezeigt, dass die Menschen durchaus offen für religiöse Themen seien, auch wenn die Montagsgebete oft Protesthaltungen waren. Die Christen von heute müssten wieder den Mut haben, ihren Glauben offener zu zeigen und zu leben. "Wer betet heute öffentlich in der Gaststätte? Wenn uns niemand sieht, kann uns auch niemand ansprechen", ist Diederich überzeugt.

Eine mangelnde Wahrnehmung der Kirche in der Öffentlichkeit beklagten die kirchlichen Mitarbeiter in der anschließenden Diskussionsrunde. Die Kirchen würden mit ihren Gottesdiensten und Angeboten vor allem von jungen Leuten nicht mehr ernst genommen. Der Preis der Freiheit sei aber, dass man unter der Vielzahl der Stimmen auswählen könne, betonte Diederich. "Wir müssen lernen, Geduld miteinander zu haben und auch abzuwarten, bis der andere seinen Weg gefunden hat." Vor allem in der Wertediskussion und in der Gestaltung der Bildungslandschaft habe die Kirche auch in Zukunft eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. "Vielleicht machen wir mal den Versuch, auch zu nicht kirchlichen Veranstaltungen zu gehen," sagt jemand, "damit wir merken, wie gefragt wir als Kirchenleute sind. Wir sind stärker als wir glauben."

Im Verlauf der Pastoralkonferenz informierte Diözesanadministrator Hubertus Zomack über die Situation des Bistums, die finanziell "weiter angespannt" bleibt. Zudem stellten die Jugendverbände ihre Arbeit vor. Dass sich die Mitarbeiter im pastoralen Dienst auch auf die Schippe nehmen können, zeigte ein Kabarett, das von den Kaplänen und Jugendseelsorgerin Ingrid Schmidt vorbereitet wurde.

Rückschau hielt der "Kameramann" des Bistums, Pfarrer Uwe Aschenbrenner, Guben, der mit einem Film an frühere Pastoraltage und Wallfahrten erinnerte. Seelsorgeamtsleiter Dr. Alfred Hoffmann bedankte sich beim Team des St.-Wenzeslaus-Stiftes, das wieder "ein hervorragender Gastgeber" war.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.10.2006

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