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Bistum Dresden-Meißen

Christen und ihre Symbole

Interview zu den Wegkreuz-Schändungen im katholischen Sorbenland

Dekan Clemens Rehor

Crostwitz - Innerhalb weniger Tage sind in jüngster Zeit im Sorbenland fünf Wegkreuze geschändet worden. Clemens Rehor, Pfarrer in Crostwitz und Dekan des Dekanates Bautzen, hat sich im Interview zu den Reaktionen der katholischen Sorben geäußert.

Sollten diese Kreuzesschändungen nicht Anlass für die Christen sein, öffentlich zu bezeugen, dass ihnen ihre religiösen Symbole wichtig sind? Mancher hat in Deutschland während der letzten Jahre den Eindruck gewonnen, nur die Muslime legten Wert auf ihre religiösen Zeichen und Inhalte, den Christen dagegen bedeute all dies nicht mehr viel ...
Dieser Eindruck trifft für unser katholisches Sorbenland aber ganz sicher nicht zu. In den vergangenen Jahren sind ja immer wieder Wegkreuze geschändet worden, wenn auch nicht so gehäuft wie jetzt. Jedesmal finden sich sofort Menschen, die die Kreuze wieder in Ordnung bringen. Oft geben sie dafür viel Geld aus. Die Sorben fühlen sich verantwortlich für ihre Wegkreuze, von denen es immerhin tausend gibt. Wenn eines wieder eingeweiht wird, geschieht das stets unter großer Anteilnahme.
Und dennoch, in den Medien ist von all dem nicht viel zu erfahren.
Wir haben immer auch ein bisschen die Sorge, den Tätern durch zu große Medienaufmerksamkeit zusätzliche Bestätigung zu geben. Wir würden uns wünschen, dass solche Taten durch die Polizei konsequent verfolgt und schließlich durch die Gerichte auch bestraft würden, zumal wir derzeit den Eindruck haben, dass die Schändungen von irgend jemandem systematisch organisiert worden sind. Ich finde es problematisch, dass diese Fälle als einfache Sachbeschädigung behandelt werden. Paragraf 166 des Strafgesetzbuches entsprechend können die Fälle nur geahndet werden, wenn der öffentliche Frieden in Gefahr ist.
Als Christen können wir aber natürlich nicht in einer Weise auf die Kreuzesschändungen reagieren, die öffentlichen Unfrieden provozieren würde.
Wollen Sie es demzufolge dabei belassen, die Kreuze immer wieder herzurichten?
Hass und Vergeltung darf nicht unsere Antwort sein. Das ist nicht die Sprache Christi. Wir werden in Sühnegottesdiensten Gott um Vergebung bitten für diese Gotteslästerungen und um Bekehrung für die, die solches tun. Natürlich kenne ich die Täter nicht. Ich kann nur vermuten, dass es Menschen sind, die frustriert sind und sich von der Gesellschaft ausgegrenzt fühlen. Das Evangelium ist voll von Berichten, in denen sich Jesus für solche Menschen einsetzt. Ich finde den Gedanken schmerzlich, dass hier womöglich Menschen das Sinnbild dessen zerstören, der ihnen wie niemand sonst Würde verleiht.

Interview: Dorothee Wanzek

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 43 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 27.10.2006

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