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Bistum Dresden-Meißen

Christ-Sein als Paar

"Marriage Encounter" seit 25 Jahren in Ostdeutschland

Nicht nur dem Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre war der Tag in Leipzig gewidmet. In kleinen Gruppen unternahmen die ME-Paare eine symbolische Wanderschaft zur Vertiefung ihrer Beziehung. Foto: Dorothee Wanzek Leipzig. "Endlich ein Weg, der Laien authentisch an der Verkündigung teilhaben lässt!" Dieser Gedanke des damaligen Magdeburger Seelsorgeamtsleiters Leo Nowak war der Anstoß, dass die Gemeinschaft Marriage Encounter (frei übersetzt: Begegnung in der Ehe) 1981 in der DDR Fuß fasste.

25 Jahre später feierte Leo Nowak, mittlerweile Altbischof, in Leipzig einen Gottesdienst mit ostdeutschen Paaren und Priestern, die sich der Gemeinschaft heute zugehörig fühlen. Ein wesentliches Anliegen von Marriage Encounter (ME) ist es, das Ehesakrament ins Licht zu rücken. Im Gottesdienst wurde das beispielsweise beim Schuldbekenntnis deutlich, bei dem anders als gewöhnlich nicht jeder für sich allein stand. Die Partner wurden aufgefordert, sich einander zuzuwenden und das aus dem Weg zu räumen, was ihrer Liebe hinderlich ist.

Die Liebe Gottes, die die MEPaare als Kraftquelle für ihre Partnerschaft entdecken, möchten sie auch nach außen strahlen lassen. Sigrun Korger aus Halle hat die positive Ausstrahlung anderer Paare dazu bewogen, sich gemeinsam mit ihrem Mann Olaf vor einigen Jahren der Gemeinschaft anzuschließen: "Man merkte, dass es denen gut geht, selbst wenn beileibe nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen war". Für Gerti und Wolfgang Mücke, die mit Leo Nowak zusammen die ersten ME-Verantwortlichen der DDR waren, erfüllte sich eine lange Sehnsucht, als sie die Gemeinschaft kennenlernten: "Nie zuvor waren wir in der Kirche als Ehepaar angesprochen und ernstgenommen worden", erinnern sich die beiden Magdeburger.

Nachdem belgische Prämonstratenser in Magdeburg von der neuen Bewegung aus Spanien und den USA erzählt hatten, waren es Ehepaare aus Belgien und Österreich, die erste ME-Wochenenden in der DDR leiteten. Später kamen auch Paare aus der Bundesrepublik hinzu. Für ihn sei das damals ein "starkes Zeugnis der Menschenfreundlichkeit Gottes gewesen, die keine Grenzen kennt", erinnert sich Bischof Nowak. "Wochenenden für die Beziehung", zu denen neben Paaren auch Priester und Ordensleute eingeladen sind, bilden das Kernstück der ME-Aktivitäten. Wesentlich geht es dabei darum, sich selbst Gefühle einzugestehen und die auch dem Partner mitzuteilen. Zu allererst die positiven Gefühle. "Wo tut mir mein Partner gut?", lautet eine häufig gestellte Frage, die auf wesentliche Grundlagen der Beziehung zielt und die häufig nicht folgenlos bleibt.

Steffi Reimann aus Köln, mitverantwortlich für ME auf Deutschland- Ebene, denkt gern daran zurück, wie ihr die Bewegung erstmals auffiel: "Eines Montagmorgens traf ich vor dem Kindergarten eine Frau, die so glücklich aussah." Auf die Frage, was denn mit ihr los sei, erzählte sie von einem tollen Wochenende mit ihrem Mann und von den Schmetterlingen, die seit langer Zeit mal wieder in ihrem Bauch kribbelten ... "Selbst lange nach der Silberhochzeit noch Schmetterlinge im Bauch zu spüren, nicht immer, aber immer wieder", verblüfft ihren Mann Arno bis heute.

Immer wieder ist von Teilnehmern an ME-Veranstaltungen zu hören: "Diese Tage haben unsere Beziehung gerettet." Einen Ersatz für eine Eheberatung biete ME gewiss nicht, sagt Sigrun Korger, die von Beruf Eheberaterin ist. In einer akuten Krise würde sie Paaren die Wochenenden deshalb eher nicht empfehlen. Gut aufgehoben seien dagegen Menschen, die sich nach tieferen Beziehungen sehnen. Ihre eigenen Kinder, die mittlerweile groß seien, hätten sie und ihren Mann immer gerne zu ME-Veranstaltungen ziehen lassen. Sie hätten wohl gespürt, dass den Eltern das guttut.

Priester sind bei ME nicht nur Seelsorger, sondern in erster Linie Weggefährten. Sie können auf eigene Art profitieren. "Ich habe bei den ME-Paaren entdeckt, was es heißt, mit Ärger und anderen Gefühlen wahrhaftig umzugehen", sagt der Salesianerpater Johannes Schreml aus Wurzbach, der gemeinsam mit Konstanze und Wieland Wiederhold aus Erfurt derzeit für ME in Ostdeutschland verantwortlich ist. Der intensive Kontakt zu den Ehepaaren helfe ihm, seine eigene Berufung als Priester besser zu leben.

Beispielsweise verstehe er zunehmend, was es bedeute, Menschen in ihrem Anderssein zu akzeptieren und wertzuschätzen. Eine Freude sei es für ihn zudem, zu erleben, wie die Partner sich gemeinsam weiterentwickeln. Dass Priester und Laien auf Augenhöhe miteinander umgingen, war Wilfried Zeidler aus Dresden als erstes ins Auge gefallen, als er 1984 mit seiner Frau Gerlinde zu ME stieß. "Dass ein Priester von sich selbst erzählt und, dass er ,ich‘ sagt, fand ich ungewöhnlich."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 42 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 23.10.2006

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