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Anstoß

Erst im Himmel

Begegnungen

Pater Damian Meyer

Der amerikanische Journalist Mitch Albom hat in seinem Roman "Die fünf Menschen, die dir im Himmel begegnen" einen interessanten Aspekt von "Himmel" dargestellt.

Eddie, die Hauptfigur des Romans ist verantwortlich für die Wartung der verschiedenen Achterbahnen, Autoscooter und Karussells eines großen Vergnügungsparks. Eines Tages verunglückt der 83-jährige Eddie, als sich eine Gondel löst und ihn zerschmettert. Er findet sich im Himmel wieder und begegnet Menschen, die in irgendeiner guten oder tragischen Weise mit ihm im Leben verbunden waren. Eddie glaubt von sich, ein wenig erfolgreiches und unbedeutendes Leben geführt zu haben. Er selbst hat das Schicksal anderer Menschen mitbestimmt, ohne darum im Einzelnen immer zu wissen. Und umgekehrt haben andere Menschen entscheidend auf seinen Lebenslauf eingewirkt.

Eddie ängstigt sich vor dieser Begegnung, weil er meint, er müsse für seine Sünden bezahlen, es ginge um Gerechtigkeit. Doch die erste Begegnung mit einem Mann, dessen Tod er als Kind indirekt verursacht hat, belehrt ihn eines Besseren: Es geht darum zu erkennen, dass alle Leben miteinander verknüpft sind. "Dass der Tod nicht nur den einen holt, sondern auch einen anderen verschont, und in dem kleinen Abstand zwischen Geholtwerden und Verschontwerden verändert sich das Leben." Jeder Einzelne berührt das Leben eines anderen, und jeder andere das des nächsten — die Welt ist voller Geschichten, und diese Geschichten sind eins.

Erst im Himmel werden die oft verworrenen Zusammenhänge, die Verwobenheit mit dem Schicksal anderer Menschen, die Bedeutung der Begegnungen erkannt. "Meiner Meinung nach ist die Bedeutung von ,Himmel‘: Du erfährst, was für einen Sinn dein Gestern hatte." Diese Einsicht führt dann auch zur Versöhnung mit Menschen, die einem im Leben nicht sympathisch waren oder denen man sogar feindlich gegenüberstand.

Was der Roman auf originelle und spannende Weise darstellt, ist das, was wir für uns erhoffen: Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn von Leid und Unglück, von "Zufall" und Begegnung. Der Himmel als Geschehen von Versöhnung mit Gott, mit sich selbst und seinem Leben und mit dem Nächsten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 12.10.2006

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