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Bistum Görlitz

Orientierung geben

Der Cottbuser Jugendtreff "Die 111" war einst sozialer Brennpunkt. Heute geht es ruhiger zu.

Lisa-Marie Roick und Robert Müller aus Welzow kommen fast jeden Tag in den Cottbuser Jugendtreff. Fotos: Andreas Schuppert Cottbus - Die Zeit, in der es hier richtig Stress gab, ist vorbei. Im Jugendtreff "Die 111" in Cottbus verbringen Schüler und junge Erwachsene friedlich ihre Freizeit.

Von den wilden Jahren, als rechte und linke Jugendliche aufeinander stießen, hat Viktoria Sawicki allenfalls gehört, erlebt hat sie sie nicht. Seit dem 1. August leitet die frisch diplomierte Sozialarbeiterin den Jugendtreff "Die 111" in der Cottbuser Straße der Jugend. "Die Jugendlichen sind froh, einen Anlaufpunkt und vor allem Ansprechpartner zu haben", sagt Frau Sawicki.

An der Notwendigkeit eines Jugendtreffs in der Cottbuser Mitte hat sich nichts geändert: Förderprogramme für Jugendliche werden gestrichen, Klubs geschlossen, die jungen Leute sich selbst überlassen. Manche Schüler von außerhalb nutzen die freundlichen Räume der "111" auch, um einfach die Zeit zu überbrücken, bevor sie nach Hause fahren können.

So zum Beispiel Lisa-Marie Roick und Robert Müller aus Welzow, die in Cottbus zur Schule gehen und fast jeden Tag in den Jugendtreff kommen. "Hier können wir Freunde aus der Schule treffen, das ist wirklich ein nettes Plätzchen", sagt Robert. "Und wir haben hier auch die Möglichkeit Hausaufgaben zu machen", ergänzt Lisa- Marie.

Die Angebote im Jugendtreff können sich auch sonst sehen lassen. "Neben Billard, Dart und Tischtennis steht uns auch der schöne Garten zur Verfügung", meint Frau Sawicki. Inzwischen gibt es auch zwei Computer-Arbeitsplätze, an denen gelegentlich "Playstation"-Nachmittage stattfinden. In der "111" wird aber nicht nur gespielt. Es finden auch thematische Nachmittage statt, deren Inhalte die Jugendlichen selbst vorschlagen. Wenn sie Probleme in der Schule oder zu Hause haben steht Viktoria Sawicki als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Unterstützt wird sie dabei von einer FSJ-lerin. Etwa zehn bis 15 Jugendliche kommen täglich, rechnet die Sozialpädagogin vor. Der Caritasverband im Bistum Görlitz hat die offene Jugendarbeit schon 1997 zu einem ihrer Schwerpunkte erklärt, informiert André Schneider, Caritas-Referent für Jugendfragen.

Danach sollen Jugendliche lernen und ermutigt werden, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. "Junge Menschen brauchen individuelle und soziale Angebote, Menschen, denen sie sich anvertrauen können, gerade in der Pubertätsphase, in der sich der erste Loslösungsprozess vom Elternhaus vollzieht." Der Verband habe in Peitz, Lübben und Hoyerswerda schon gute Erfahrungen mit der offenen Jugendarbeit gemacht. Die Caritas gelte in der Öffentlichkeit als "seriöser Träger". So habe die Stadt Lübben beim Verband angefragt, ob er nicht Streetworker einsetzen könne, da es zunehmend Probleme mit Jugendlichen aus der rechten Szene gebe.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 12.10.2006

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