Bistum Görlitz

Engel haben mit Gott zu tun

Angela Kanig führt seit 40 Jahren die christliche Buchhandlung in Neuzelle

Angela Kanig verkauft in Neuzelle unter anderem religiöse Literatur. Foto: Andreas Schuppert

Neuzelle - Das Geschäftsklima ist rauer geworden, besonders für Buchhändler. Angela Kanig hat mit ihrem kleinen Laden in Neuzelle auch stürmische Zeiten überstanden.

Angefangen hat alles mit den ersten Wallfahrern, die 1947 nach Neuzelle kamen. "Meine Eltern haben die Rosenkränze, Weihwasserbecken und andere Devotionalien noch in der Wohnung gesammelt", erinnert sich Angela Kanig. Das war die Geburtsstunde des christlichen Buchladens in Neuzelle. Schreibwaren und Zeitschriften kamen später dazu. Bis heute bietet das Geschäft neben Devotionalien und Karten auch weiterhin christliche Literatur an. Und die Wallfahrer sind es immer noch, die sich um die Verkaufstische von Frau Kanig und ihrer Mitarbeiterin scharen.

Dabei waren die Zeiten alles andere als einfach. Als die gelernte Uhrmacherin Angela Kanig 20 Jahre alt war, starb ihre Mutter, die das Geschäft führte. Den Laden weiterbetreiben oder aufgeben, war die Frage, die sich für die Familie damals stellte. "Durch die familiäre Situation, die älteren Geschwister waren verheiratet und weggezogen, der jüngere Bruder Schüler, lag die Entscheidung bei mir." Frau Kanig hat die Sache mutig angepackt und sich für das Geschäft entschieden. "Diese Entscheidung bestimmte mein weiteres Leben. Mit 20 Jahren war ich Geschäftsinhaberin, mein Vater bei mir ehrenamtlicher Buchhalter."

Die Jahre in der DDR waren geprägt von Mangelwirtschaft und Gängelei. Eine Verstaatlichung des Geschäftes hat der Vater erfolgreich verhindert. "Wir waren sicher auch zu klein, um für die Planwirtschaft interessant zu sein." Heute jedoch sei es "anders schwer", gibt Frau Kanig unumwunden zu. "Man muss stärker auswählen, gucken, was den Kunden interessiert oder besondere Dienstleistungen anbieten." Auch die Kauflust der Touristen, die seit der Wende nach Neuzelle strömen, sei mit der Euro-Einführung spürbar zurückgegangen. Deshalb musste sie ihre Filiale unter dem Torbogen an der Stiftskirche unlängst aufgeben.

Dennoch verströmt das Geschäft in der Frankfurter Straße seinen eigenen Charme. Anders als die Großmärkte kann Angela Kanig ihre Kunden noch individuell betreuen. Zum Beispiel, wenn jemand eine Trauerkarte sucht. "Da ich die Situation oft kenne, kann ich mit dem Betreffenden das Passende heraussuchen." Auch manch amüsante Geschichte aus ihrem Geschäftsleben hat sie parat. Eine Frau habe zum Beispiel eine Karte über Engel gesucht, wollte aber nicht, dass "Gott" darauf vorkommt. "Manche Sachen lassen sich eben nicht verhindern", lächelt die Geschäftsfrau, "Engel haben nun mal was mit Gott zu tun." Blickt Angela Kanig zurück, dann empfindet sie Dankbarkeit. Dank vor allem an ihre Eltern, die das Geschäft mit viel Mühe und Engagement aufgebaut haben, Dank an ihre frühere Verkäuferin Lydia Neujahr, die ihr 29 Jahre lang die Treue hielt. Dank aber auch an ihre Familie, die sie in ihrer Arbeit unterstützt hat. Wie ihr Vater in den ersten Jahren kümmert sich ihr Mann bis heute ehrenamtlich um die Buchhaltung.

Wenn sie das Geschäft irgendwann einmal abgeben muss, stellt sie eine Bedingung: Der Bestand an christlichen Devotionalien und religiöser Literatur muss erhalten bleiben. Zwar seien "weitere Standbeine" wie Zeitschriften oder "Lotto-Ecke" notwendig. Die ursprüngliche Geschäftsidee ihrer Eltern soll aber auch nach ihrer aktiven Zeit weiterwirken.

Hinweis: Unter der Adresse www.christliche-buchhandlungen.de finden Sie eine Buchhandlung in Ihrer Nähe.
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 40 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 05.10.2006

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