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Bistum Erfurt

Die Botschaft Jesu wachhalten

Bistumswallfahrt in Erfurt

Vor der Eucharistiefeier: Bischof Joachim Wanke und Domkapitular Gerhard Stöber nehmen die nach vorn gebrachten Hostien an. Foto: Jakobi Erfurt - Über 10 000 katholische Christen aus allen Teilen des Bistums Erfurt waren der Einladung von Bischof Joachim Wanke zur Bistumswallfahrt gefolgt. Sie stand unter dem Leitwort "Gut, dass du da bist". Im Blickpunkt standen unter anderem Fragen und Möglichkeiten des Christseins.

Bischof Marc Stenger aus dem französischen Bistum Troyes war Gast der Erfurter Bistumswallfahrt am 17. September. Zu Beginn der Eucharistiefeier auf den Domstufen sagte Stenger: "Ich bin als Bruder zu Brüdern gekommen und als Zeuge, dass Gott uns nicht fallen lässt." Wie so viele Christen in Thüringen und den anderen ostdeutschen Ländern weiß Marc Stenger um das Leben in einer weithin säkularisierten, glaubensfernen Gesellschaft. Den deutschen Bischöfen sagte er einmal vor diesem persönlichen Hintergrund: Wir als Kirche in Frankreich können die Gesellschaft, so wie sie nun einmal ist, kaum oder zumindest nur wenig verändern. Aber wir können der Gesellschaft zwei wichtige Dienste leisten: den Dienst der "Beleuchtung" (illumination) und den der "Begleitung" (accompagnement).

Bischof Joachim Wanke ging in seiner Wallfahrtspredigt auf diese Stichworte besonders ein, die sich ihm tief eingeprägt hatten. Sie seien, so Joachim Wanke, selbstbewusst und demütig zugleich, da sie nicht auf den Menschen sondern auf Gott verweisen. Zum Stichwort "Beleuchtung" betonte der Erfurter Bischof: "Wir Christen sind dazu berufen, in dieses Land, in alle Lebensbereiche, in denen wir selbst stehen, das ,Licht von oben‘, unseren Glauben, unsere Hoffnung, unsere auf Gott und die Menschen gerichtete Liebe einzubringen … ohne dieses Licht … wäre dieses unser Land dunkler, kälter, hoffnungsloser." Weiter sagte Joachim Wanke: "Und wenn ihr manchmal müde werdet – stellt euch selbst in das Licht, das durch das Evangelium in unser aller Leben fällt. Sagt, wenn euch die Kraft auszugehen droht oder wenn ihr manchmal verzweifelt und ratlos seid: Du mein Gott, gut dass du da bist!"

Und zum zweiten Stichwort "Begleitung" fügte Bischof Wanke an, dass das Land Thüringen mit "seinen Menschen, seiner Geschichte, seiner augenblicklichen Lage" die Heimat der hier lebenden Christen ist. Wörtlich sagte: "Wir teilen mit allen Menschen in diesem Land die Freuden und Sorgen, die Ängste und Hoffnungen, die diese Zeit für uns bereithält. Wir haben keine Patentrezepte für wirtschaftliche oder politische Fragen. … Aber eines können wir: Weil wir um Gottes Nähe und seine rettende Macht wissen, können wir helfen, an eine gute Zukunft zu glauben, auch für dieses Land."

Im Rahmen des Zwischenprogramms hatten die Wallfahrer dann die Gelegenheit, mit Bischof Marc Stenger und seinem Gastgeber, Bischof Joachim Wanke ins Gespräch zu kommen. Stenger verwies in der Predigerkirche darauf, dass der Katholizismus in Frankreich zwar in einer tiefen Krise stecke, es aber andererseits gerade im Kleinen, vor Ort zahlreiche Aufbrüche gebe, die zeigen, dass die Kirche lebt und Zukunft haben wird. Stenger, der in seinem Bistum pastorales Neuland begeht, hob in besonderer Weise die Verantwortung der Laien für die Kirche hervor. Von ihren Ideen und Initiativen wird abhängen, wie lebendig in Zukunft die Botschaft Jesu für alle Menschen wach- und erfahrbar gehalten werden kann. Der französische Bischof erinnerte weiter an die Bedeutung der religiösen Bildung als Grundlage des Christsein. Bischof Joachim Wanke erinnerte in diesem Zusammenhang an Angebote wie Theologie im Fernkurs. Dabei, so Wanke, sei es nicht nur entscheidend, sich Wissen anzueignen, wichtig sind für ihn zudem die persönlichen Kontakte, die gelebte Gemeinschaft während der Kurswochenenden, die dann ins ganze Bistum hineingetragen werden kann.



Hinweis

Die Predigt: www.bistum-erfurt.de.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 20.09.2006

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