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Bistum Dresden-Meißen

Superchristen nicht gefunden

"Dem Glauben (d)ein Gesicht geben" war Thema des Bistumsjugendtages in Wechselburg

'Deutschland sucht den Superchrist' – mit diesem Spiel wurde der Bistumsjugendtag eröffnet. Foto: Matthias Holluba Wechselburg (mh) - "Dem Glauben (d)ein Gesicht geben" war das Thema des Bistumsjugendtages, zu dem etwa 400 Jugendliche nach Wechselburg kamen.

"Deutschland sucht den Superchrist" hieß der Wettbewerb, und die Jury, die im Finale unter vier Kandidaten den "Superchristen" aussuchen sollte, hatte keine leichte Aufgabe. Eine Entscheidung fiel letztlich nicht: Die Frau, die alles gut findet, was der Papst sagt, der Mann, Vater von sechs Kindern und Pfarrgemeinderatsmitglied, der Junge, der regelmäßig zum Religionsunterricht und zur Ministrantenstunde geht, und eine Jugendliche, die zu den Jesus-Freaks gehört – zwar hatten alle ihr spezielles Gesicht des Glaubens. Der Superchrist aber war keiner von ihnen.

Das Spiel, mit dem der Bistumsjugendtag in Wechselburg eröffnet wurde, sollte in das Thema einführen. "Dem Glauben (d)ein Gesicht geben", hatten die Veranstalter über das Wochenende geschrieben. Inhaltlich ging es um die Frage, wie ein Christ seinen Glauben im Alltag leben kann. "Es geht um die Frage der Übersetzung der Theorie in die Praxis", sagt Jugendseelsorger Pfarrer Gregor Giele. Diese Frage beschäftigt die Jugendlichen und deshalb hatten sie dieses Thema angeregt.

Christsein im Alltag: Antworten vorgeschlagen

Mit den verschiedenen Angeboten zum Bistumsjugendtag sollten dann konkrete Antworten darauf vorgeschlagen werden. Einen Schwerpunkt des Wochenendes bildete ein knappes Dutzend Katechesen, in denen Christen über ihre Alltagserfahrungen sprachen: Ein katholischer Theologe, der als Redakteur bei der Bild-Zeitung arbeitet, sprach über seine Erfahrungen mit Ehrlichkeit. Eine Frau berichtete über ihren christlich motivierten Widerstand gegen Rechtsextremismus. Christlicher Umgang mit Sexualität, Krankheitserfahrungen, das Miteinander in der Familie und Erfahrungen des Weltjugendtages waren weitere Themen. Jugendseelsorger Giele: "Dabei ging es vor allem um das Erzählen der ganz persönlichen Glaubensgeschichten, bei denen auch das Ringen des Einzelnen, seine Fragen und Zweifel deutlich werden durften." Die positiven Erfahrungen mit dieser Art Katechese beim Weltjugendtag im vergangenen Jahr waren der Grund, Ähnliches beim Bistumsjugendtag zu versuchen. Mit Erfolg: "Ich war sehr überrascht, dass so viele Jugendliche bei den Katechesen mitgemacht haben", sagt Gregor Giele.

Nicht ein Gesicht, sondern viele zusammen

"Dem Glauben (d)ein Gesicht geben" – darum ging es noch einmal bei der Eucharistiefeier am Sonntag. Pfarrer Giele hatte seinen evangelischen Jugendpfarrerkollegen Karl Ludwig Ihmels dazu eingeladen. In einer "Dialogpredigt" suchten sie Antworten auf die Frage: Was erzählen unsere Gesichter über den Glauben? Da ging es um das Allerwelts-Gesicht (Glaube braucht kein Schönheitsideal), einen großen Mund (Glaube will weitergesagt werden), Narben (der Glaube darf auch Schrammen haben) und Brillen (Hilfsmittel für den Glauben, die der Christ nutzen darf). Deutlich wurde so – und das war zuvor auch Thema des Nachtgebetes – dass es nicht ein einzelnes Gesicht des Glaubens gibt, dass es nicht um den einen Superchristen geht, sondern dass es die vielen Christen zusammen sind, die – auch mit ihren Fehlern, Schwächen und Eigenarten – zusammen das Gesicht des Glaubens bilden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 20.09.2006

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