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Aus der Region

Kardinal. Fürst. Mäzen.

Eine Austellung über Albrecht von Brandenburg in Halle

Zur Ausstellung sind im Dom von Halle Reproduktionen einiger der 142 Gemälde zu sehen, die Kardinal Albrecht bei Lucas Cranach arbeiten ließ. Sie sind in von innen beleuchteten Vitrinen präsentiert und vermitteln einen Eindruck, wie der Dom einst mit seinen zahlreichen Nebenaltären aussah. Halle - Anlässlich ihres 1200. Jubiläums zeigt die Stadt Halle seit kurzem eine Ausstellung über Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490-1545). Dabei geht es vor allem um Albrecht als Renaissance-Fürsten und Mäzen und nicht um die Auseinandersetzungen mit Martin Luther.

Im Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, der halleschen Moritzburg, sind rund 200 Stücke aus dem Besitz des Hohenzollers Albrecht zusammengetragen. Gezeigt werden Gemälde, Grafiken, historische Bücher, Gewänder und andere Textilien, Altartafeln und Reliquiare. Zu den Leihgebern gehören Museen in ganz Europa. Unter den Exponaten befindet sich der frisch restaurierte farbenprächtige Magdalenen-Altar aus der Werkstatt Lucas Cranachs des Älteren (1472-1553), wie er noch bis vor rund 200 Jahren in der Stiftskirche in Aschaffenburg, der Residenz der Mainzer Erzbischöfe zu sehen war.

Vier Ausstellungsorte einbezogen

Weitere Ausstellungsorte neben der Moritzburg sind der heute von der reformierten Gemeinde genutzte Dom, in dem der Magdalenen-Altar bis 1541 stand, die benachbarte Residenz sowie der Stadtpalast "Kühler Brunnen". Unter den Exponaten sind insgesamt 26 Altartafeln, die zum Großteil aus der Werkstatt Lucas Cranachs stammen sowie das "Hallesche Heiltum" samt Heiltumsbuch aus der Aschaffenburger Hofbibliothek. Albrecht hatte für die Stiftskirche (den Dom) einen 142 Bilder umfassenden Gemäldezyklus in der Werkstatt Cranachs fertigen lassen. Viele der biblischen Bilder gingen verloren oder hängen heute verstreut in europäischen Kunstsammlungen. Für die Ausstellung haben deren Macher jetzt im Dom Reproduktionen einiger dieser Bilder angebracht. Sie hängen in von innen beleuchteten Vitrinen, wie man sie als Werbetafeln kennt, und lassen so etwas von den einst zahlreichen Nebenaltären an den Säulen des Gotteshauses erahnen.

Albrecht von Brandenburg war als Kurfürst und Erzbischof von Mainz der mächtigste deutsche Kirchenfürst der Reformationszeit. Er war zugleich Erzbischof von Magdeburg und verwaltete dazu noch das Bistum Halberstadt. Obwohl eine solche Ämterhäufung in seiner Zeit in der Kirche bereits in Frage gestellt war, gelang es ihm, sich seine Mehrfachwürden in Rom zu erkaufen. Dafür musste er im Bankhaus der Augsburger Fugger einen Kredit aufnehmen.

Mächtigster Erzbischof des alten Reiches

Im Auftrag Albrechts betrieb der Dominikaner Johannes Tetzel einen Ablasshandel, der von Martin Luther zu Recht angeprangert wurde und ein Anlass für die Reformation war. Albrecht tilgte mit den Einnahmen den Kredit der Fugger.

Als Reaktion auf die beginnende Konfessionsspaltung baute der Kardinal in seiner Residenz in Halle eine bedeutende Kunst- und Reliquiensammlung auf. Durch den Um- und Neubau von Moritzburg, Stiftskirche (Dom), Residenz und Marktkirche prägte er das Stadtbild von Halle nachhaltig. Nach rund 20-jährigem Wirken in Halle verließ Albrecht 1540/41 die Stadt jedoch und nahm einen Großteil seiner Kunstschätze und Reliquien nach Mainz und Aschaffenburg mit. Im Jahr darauf wurde dann in Halle die Reformation durchgesetzt.

Die jetzige Schau zu dem Kardinal ist die erste derartige Ausstellung überhaupt. Zudem sind zum ersten Mal viele Kunstschätze aus dem Besitz Albrechts seit dessen Weggang aus Halle wieder gemeinsam zu sehen.

Zur Eröffnung am 8. September war der Mainzer Kardinal Karl Lehmann nach Halle gekommen, der gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz (parteilos) die Schirmherrschaft innehat.

Der Trierer Historiker und Ausstellungsmacher Andreas Tacke erklärte vor Journalisten, die Schau gehe bewusst nicht auf die Konflikte Albrechts mit dem Reformator Luther ein. Sie präsentiere Albrecht nicht als Verlierer der Geschichte. Der Kardinal werde als Kunstmäzen vorgestellt, der die italienisch geprägte Renaissance nach Deutschland geholt und mit dem "Halleschen Heiltum" eine der größten Reliquiensammlungen seiner Zeit besessen habe.

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Albrecht Geld aus dem umstrittenen Ablass auch für seine große Reliquiensammlung verwendet hat", erläutert Thomas Schauerte. Der Kurator hat dafür gesorgt, dass das "Hallesche Heiltum" wieder in Albrechts Residenz in der Moritzburg zusammengekommen ist. 350 silberne Heiligenfiguren, goldene Monstranzen und kostbare Kästchen mit rund 11 000 Reliquien umfasste es einst. Durch die Verehrung der Reliquien hätten die Gläubigen ihre erwartete Sühnezeit im Fegefeuer um rund 40 Millionen Jahre verkürzen können.

Durch Reliquienverehrung Sühnezeit verkürzt

"Albrecht sammelte wie ein Besessener, musste wegen seiner Schulden aber schon zu Lebzeiten einzelne Kostbarkeiten verkaufen", so Schauerte. Ein kostbarer Kelch aus dem schwedischen Uppsala, zahlreiche kunsthandwerkliche Spitzenarbeiten und Albrechts prunkvoller Bischofsstab sind nun wieder in Halle zu sehen.

Die Ausstellung will etwas aufräumen mit der verbreitet einseitig negativen Sicht des Kardinals. "Albrecht war sehr religiös und holte kritische Humanisten wie Ulrich von Hutten an seinen Hof", erläutert Schauerte. "Er sorgte sich auch um eine einheitliche Liturgie und eine deutsche Bibelübersetzung (in der Ausstellung zu sehen), wie sie auch von den evangelischen Reformatoren als dringend nötig angemahnt worden war."

Mehr Infos unter www.kardinal-albrecht-2006.de. Ein Vortrag von Peter Zülicke.



Hinweise

Die Ausstellung ist bis 26. November montags bis sonntags von 10 bis 19 Uhr und dienstags bis 20.30 Uhr in der Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, in Halle zu sehen. Kostenlos besucht werden kann mit der Eintrittskarte auch das Lutherhaus in Wittenberg.
Zur Ausstellung ist eine mit der Schola Hungarica eingespielte CD erschienen: "Der Kardinal.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 20.09.2006

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