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Bistum Erfurt

"Wir wollen den Frauen weiterhelfen"

Caritas-Projekt "Ausweg" in Erfurt

Erfurt (ep) - Frauen in Not, die das Caritas-Hilfsangebot "Ausweg" (Seite 9) in Anspruch nehmen wollen, können nicht zuletzt bei den Schwestern vom Guten Hirten in Erfurt Unterstützung und Beistand erfahren. Die Schwestern bieten jeder Frau in Not unabhängig von Herkunft, Konfession oder politischer Anschauung Beratung und konkrete Hilfe an.

Als Ende Februar die Erfurter Frauenklinik für Mütter in extremen Notsituationen mit einem "Babykorb" die Möglichkeit eröffnete, ihr Neugeborenes ano-nym abzugeben (Der Tag des Herrn berichtete.) - was inzwischen auch schon genutzt wurde - hatte es im Hintergrund bereits zahlreiche Gespräche auch mit den Schwestern vom Guten Hirten gegeben. Denn neben der Einrichtung des Babykorbes sollte Schwangeren, die ihrem Kind das Leben schenken, aber es nicht behalten wollen, auch die Möglichkeit gegeben werden, ihr Baby anonym zur Welt zubringen und danach sofort wegzugeben. Neben noch nicht bis ins Letzte geklärten rechtlichen Fragen spielt dabei vor allem die finanzielle Seite eine erhebliche Rolle, da gegebenenfalls die "gesamte Bandbreite der klinischen Medizin gefordert sein kann", wie der Chefarzt der Frauenklinik, Universitätsprofessor Udo Hoyme bei der Vorstellung des Angebots der Frauenklinik sagte.

Die Ordensgemeinschaft der Schwestern vom Guten Hirten hat in der Begleitung von Mädchen und Frauen in Not jahrzehntelange Erfahrung. In München, wo die Schwestern zwei Frauenhäuser unterhalten, gibt es bereits seit einiger Zeit auf Initiative der Ordensgemeinschaft einen "Babykorb", von den Schwestern "Lebenspforte" genannt. Um in Notsituationen helfen zu können, entstand dort auch ein Hilfsfonds. Mit Mitteln aus diesem Fonds im Hintergrund konnten die Schwestern in Erfurt der Frauenklinik in der Thüringer Landeshauptstadt zusagen, die Finanzen für eine erste anonyme Geburt zur Verfügung stellen zu können, was den Start des Angebotes der Klinik ermöglichte. Dieses für eine erste Geburt bereitgestellte Geld bildet jetzt den Grundstock für einen inzwischen in Erfurt ins Leben gerufenen Fonds.

"Wir wissen nicht, ob sich Frauen in der Klinik melden werden", sagt Schwester Benedikta Hoffmann. "Wir möchten aber alles tun, damit Schwangere auch in größter Not ihrem Kind das Leben schenken. Hilfe bieten wir aber auch Frauen an, die sich anderes entschieden haben."

Frauen, die ihren Säugling anonym in den "Babykorb" der Frauenklinik legen, machen sich nicht strafbar, da dies rechtlich als eine Übergabe an die Klinik gilt, die das Kind in Obhut nimmt, erläutert Schwester Benedikta. In München gebe es ein Team von Ärzten, die sich freiwillig der Kinder annehmen. In finanzieller und rechtlicher Hinsicht sei das Jugendamt für die Absicherung des Kindes zuständig.

Wie die Ordensfrauen in München bieten die Schwestern in Erfurt der jeweiligen Frau und ihrem Partner die Möglichkeit anonymer Gespräche an, woraus konkrete Hilfe erwachsen kann. Wenn eine Frau ihr Kind in den "Babykorb" legt, findet sie da-rin zwei Briefe vor: In einem befindet sich ein Codewort, dass ihr die Möglichkeit bietet, innerhalb von acht Wochen noch um Rückgabe des Kindes zu bitten. In einem zweiten Kuvert steckt ein auf regenbogenfarbenes Papier geschriebener Brief, in dem Caritasberaterinnen den Frauen auch nach Übergabe des Kindes Hilfe und Begleitung anbieten.

Der Babykorb sei eine, eine anonyme Geburt noch mal eine ganz andere Sache, erläutert Schwester Benedicta. Die Frau, die ohne ihren Namen, ihre Adresse und ihre Versicherung anzugeben, ihr Kind zur Welt bringt, bekommt dieses praktisch überhaupt nicht zu sehen. Während für das Neugeborene umfassend gesorgt wird, was der Mutter auch zugesichert werde, sei die Frau nach der Geburt auf sich allein gestellt.

"Hier sehen wir unsere Aufgabe", sagt Schwester Benedicta. "Wir sind bereit und in der Lage, Frauen, die dies wollen und nötig haben, bei einer normalen Geburt 24 Stunden danach zu uns zu holen und ihnen weiterzuhelfen. Natürlich hätten wir es lieber, wenn die Frauen, bevor sie ihr Neugeborenes weggeben, zu uns kämen und wir für sie einen Weg gemeinsam mit dem Kind finden könnten", sagt Schwester Benedicta. Vielleicht werde dies durch entsprechendes Bekanntmachen des Projektes "Ausweg" künftig auch häufiger der Fall sein. Andererseits sei es, - wenn etwa Frauen in Prostitution oder in Obdachlosigkeit leben - "nach menschlichem Ermessen manchmal vielleicht besser für das Kind, wenn es zu guten Pflegeeltern kommt".

Nach dem Personenstandsrecht muss ein Neugeborenes binnen 48 Stunden nach der Geburt beim Standesamt angemeldet werden. Derzeit werde aber auf Bundesebene über eine Verlängerung dieser Frist diskutiert, um den Müttern mehr Zeit einzuräumen, das Kind doch noch zu sich zu nehmen, so die Ordensfrau. Natürlich sei auch die Frage im Blick, inwieweit mit der Einrichtung des Babykorbes es Müttern zu leicht gemacht werde, sich dagegen zu entscheiden, ihr Kind selbst aufzuziehen. "Auf jeden Fall müssen sowohl das Angebot des Babykorbes als auch die Möglichkeit der anonymen Geburt bewusst als Alternative zur Abtreibung verstanden werden", so Schwester Benedikta.

Die Gründe dafür, warum sich Frauen gegen ihr Kind entscheiden, seien sehr vielfältig. Angst vor Eltern oder Freund, eine soziale Situation, die der Frau oder dem Paar ein (weiteres) Kind als unmöglich erscheinen lässt, schwierige Partnersituation, drohender Abbruch von Ausbildung oder Karriere. Zudem komme es gelegentlich vor, dass Frauen erst relativ spät ihre Schwangerschaft bemerkten oder darauf aufmerksam gemacht würden. "In nicht wenigen Situationen", so Schwester Benedikta aus ihrer Erfahrung, "kann gemeinsam mit den Frauen aber dennoch ein Ausweg gefunden werden."

Hilfe / Infos für Frauen in Not: Telefonseelsorge kostenlos Tel. (08 00) 111 0 111 oder bei allen Caritas-Beratungsstellen

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 29.03.2001

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