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Bistum Görlitz

Predigen mit dem Bild

Der Künstlerpfarrer Sieger Köder aus der Lausitz

Künstlerischer Ernst und schwäbischer Humor: Sieger Köder Hoyerswerda - Er hat über 70 Bücher illustriert und zahlreiche Kirchen gestaltet. Darunter auch die in Hoyerswerda. Jetzt war der schwäbische Künstler und Pfarrer Sieger Köder in der Lausitz unterwegs.

In seiner Heimat nennt man ihn den "Künstlerpfarrer", eine Bezeichnung, die der Monsignore überhaupt nicht mag. "Ich bin ein Pfarrer, der malt, für eine Kirche, aber vor allem für eine Gemeinde." Predigen mit dem Bild – so lässt sich das Gesamtwerk des inzwischen 81-jährigen Geistlichen zusammenfassen. Manches seiner Werke muss er sich genau ansehen, um sich zu erinnern. So auch in der Pfarrkirche Heilige Familie in Hoyerswerda, die Sieger Köder am 4. September besuchte.

Hier hat er nicht nur die modernen Kirchenfenster entworfen, sondern auch die Altarfenster und die Fenster im Baptisterium gestaltet sowie dem Kreuzbild des Altares neue Farben verliehen. Das Gotteshaus in Hoyerswerda hat für ihn eine besondere Bedeutung: "Es ist wirklich eine Kirche der ,Wende‘", spielt der Künstler auf die politischen Veränderungen an. "Aber im positiven Sinn. Altes und Neues ist beeindruckend zusammengefasst."

Erste Kontakte nach Hoyerswerda hatte Sieger Köder durch Schwester Magalena Vesenmayer, eine der beiden Franziskanerinnen von Reuthe, die sich nach der Wiedervereinigung in Hoyerswerda niedergelassen haben. Schwester Magalena, damals wie heute als Klinikseelsorgerin tätig, bat Sieger Köder "zwei Fenster im Krankenhaus zu gestalten." Der frühere Pfarrer von Hoyerswerda, Joseph Hoffmann, baute die Beziehungen aus. "Aus den beiden Fenstern ist dann eine Kirche geworden", meint Köder in seinem schwäbischen Humor.

Themen in einer Kirche, die der heiligen Familie geweiht ist, sind eben Familien. Adam und Eva mit ihren Söhnen Kain, Abel und Set zum Beispiel, oder Joachim, Anna und Maria, die eine Rose als Symbol für Jesus in der Hand hält. Beeindruckend auch das Bild von der Ehebrecherin im Baptisterium, bei dem besonders "die neue Liebe und Barmherzigkeit" zum Ausdruck kommt.

Sieger Köder lebt intensiv mit seinen Werken, als Künstler, aber vor allem als Geistlicher. "Man sagt, dass die Schwaben erst mit 40 vernünftig werden, deshalb habe ich erst mit 40 Theologie studiert." Seitdem ist die Bibel und ihre Botschaft der Mittelpunkt seines Schaffens, der Glaube das zentrale Thema. Und es scheint, als ob es für ihn noch etwas zu tun gibt in Hoyerswerda. "Drei Felder eines Fensters sind noch frei", erläutert Pfarrer Peter Paul Gregor. Darin sollen später Josephs-Motive zu sehen sein – gemalt von Sieger Köder. Wie weit die Pläne schon gereift sind, will Gregor allerdings noch nicht verraten. Aber: "Es sieht gut aus", denn man spürt, dass Pfarrer Köder gern noch einmal für die Gemeinde in Hoyerswerda arbeiten würde – um den Menschen die befreiende Botschaft Jesu in Bildern näherzubringen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 15.09.2006

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