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Bistum Erfurt

Auf dem Weg der Barmherzigkeit

Die Schwestern von der heiligen Maria Magdalena Postel begannen ihr Jubiläumsjahr

Eine große Gemeinschaft: Schwestern aus allen Niederlassungen waren zum Auftakt des Jubiläumsjahres nach Heiligenstadt gekommen. Heiligenstadt - 200 Jahre ist es im Jahr 2007 her, dass die Französin Julie Postel eine Gemeinschaft gründete, die heute ihren Namen trägt: Die Schwestern von der heiligen Maria Magdalena Postel. Am 8. September wurde der Auftakt des Jubiläumsjahres gefeiert.

In Brasilien wird das Jubiläum in Form einer kleinen Mini-Kapelle bereits seit drei Jahren in die Familien getragen. In Bolivien möchten die Schwestern den Geist ihrer Ordensgründerin mit ihrer Arbeit ganz bewusst genauso in die Berge der Anden tragen, wie es einst die vier Schwestern aus dem Eichsfeld taten, die 1924 als Missionarinnen in das lateinamerikanische Land kamen. Und in Europa schließlich wollen die Schwestern in Deutschland und im Ursprungsland Frankreich näher zusammenrücken. Drei Projekte von vielen, die zeigen, dass die Schwestern der heiligen Magdalena Postel jung geblieben sind und bis heute sich selbst und viele Menschen in Bewegung bringen.

Mit einem Gottesdienst am 8. September in der St. Ägidienkirche und einer Auftaktveranstaltung in der Turnhalle der Heiligenstädter Bergschule begannen die Schwestern, ihre Mitarbeiter und zahlreiche Gäste das Jubiläumsjahr. Es steht unter dem Motto "Auf dem Weg der Barmherzigkeit – damit Leben gelingt." Die Generaloberin der Gemeinschaft, Schwester Aloisia Höing sagte dazu in ihrer Begrüßung: "Maria Magdalena Postel war in Wort und Tat eine Botin der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes."

Der Weg, der nun im Jubiläumsjahr beschritten wird, prägt bis zum September nächsten Jahres zahlreiche Veranstaltungen, zu denen die Ordensschwestern, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Einrichtungen und Dienste, aber auch alle Freunde und Interessierte einladen. Regional- Oberin Schwester Pia Elisabeth Hellrung – die aus dem Eichsfeld stammt und heute in Bestwig lebt – sagt dazu: "Wichtig ist uns, dass wir alle erreichen, die mit uns verbunden sind. Dass sich schon im Laufe der Vorbereitungen so viele Menschen an verschiedenen Orten mit eingebracht haben, ermutigt uns."

Eingebracht haben sich zum Beispiel die Lehrkräfte der Berufsbildenden Schule und des Gymnasiums der Bergschule Heiligenstadt. Zur Eröffnung stellten sie Szenen aus dem Leben der heiligen Maria Magdalena Postel nach. Musikalisch umrahmt wurde die Feier unter anderem vom Chor der Bergschule unter der Leitung von Uwe Pukatzki.

Ein wichtiges Anliegen des Tages war es auch, die Spiritualität der Gründerin vorzustellen. Generaloberin Aloisia Höing: "Sie hat den einzelnen Menschen in seinem Wert und seiner Würde gesehen und gefördert. Das sollte uns Ansporn sein, auch heute in unserer verzweckten Welt diese Barmherzigkeit, das aus dem Herzen kommende Wohlwollen, erfahrbar und spürbar zu machen."

Die heilige Maria Magdalena Postel wurde am 28. November 1756 in der Normandie geboren. Ihr schwebte schon früh das Ideal einer Gemeinschaft vor, in der die Schwestern von ihrer eigenen Hände Arbeit leben sollten. Doch die Zeit der Französischen Revolution bietet für solche Gemeinschaften keinen Raum. Julie – wie sie damals noch hieß – engagiert sich im Untergrund, versteckt Geistliche, bereitet Mädchen auf die Erstkommunion vor … In ihrem 51. Lebensjahr schließlich ist es ihr möglich, die "Armen Töchter der Barmherzigkeit" ins Leben zu rufen. Und im 76. Lebensjahr macht sie sich schließlich daran, zusammen mit ihren Schwestern die Ruinen der ehemaligen Benediktinerabtei St. Suveur-le-Vicomte wieder aufzubauen. Zeit ihres Lebens war Maria Magdalena Postel gewohnt zu kämpfen, Resignation war nicht ihre Sache. Davon zeugen in besonderer Weise ihre Worte: "Ich würde bis an die Grenzen der Erde gehen, um einen Menschen für Christus zu gewinnen."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 15.09.2006

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