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Aus der Region

Da, wo "mein Häusle" steht...

Pentling - der Heimatort des Papstes

Pater Eberhard von Gemmingen

Es gibt nicht allzu viele private Fotos von Papst Benedikt XVI. Die wenigen, die die Zeitungen und Fernsehkanäle auftreiben konnten, machten in den Tagen nach seiner Wahl auf den Stuhl Petri die Runde. Eines davon war wegen seines besonderen Charmes ganz oft zu sehen: Der Kardinal ist da abgelichtet, in einem schwarzen Anzug, neben ihm seine Schwester Maria, sie trägt ein ganz einfaches Kleid - und zwischen beiden kann man die Figur einer Bronzekatze sehen. Dieses Bild stammt aus dem heimatlichen Garten der Ratzingers - und dieser Garten liegt nicht in Marktl, nicht in Traunstein und auch nicht in München, nein, er liegt in Pentling bei Regensburg, einer kleinen Gemeinde, die nach eigenen Angaben gerade einmal 2639 Einwohner hat, dazu kommen noch etwa 3000 in den verschiedenen eingemeindeten Ortschaften ringsum. Pentling, ein idyllisches kleines Örtchen, nicht weit von der Universitätsstadt Regensburg. Hier war es auch, wo der Dogmatikprofessor Joseph Ratzinger 1969 zusammen mit seiner Schwester Maria einzog - und hier in Pentling kaufte er 1971 auch ein Haus, in dem bis heute sein erster Wohnsitz ist. Im Einwohnermeldeamt gibt es seitdem eine Karteikarte für den Dr. Joseph Ratzinger; er hat sich nicht abgemeldet, als er als Erzbischof nach München ging, und ebenso wenig, als er ein paar Jahre später wieder die Koffer packen musste, weil Papst Johannes Paul II. den jungen Kardinal nach Rom gerufen hatte. Na - und auch nach dem 19. April 2005 gab es keine Abmeldung durch den Souverän des Vatikanstaates, der der Pentlinger Joseph Ratzinger mittlerweile ist. Allerdings steht heute auf jener Karte neben dem Namen: "Seine Heiligkeit Benedikt XVI."

Während seit der Papstwahl Marktl am Inn bei den Leuten im Umkreis nur noch "Media-Marktl" heißt und Traunstein und Regensburg dem Papst die Ehrenbürgerwürde überreicht haben, ist Joseph Ratzinger bereits seit dem 31. Mai 1987 Ehrenbürger von Pentling. Als die Gemeinde dem Präfekten der Glaubenskongregation einen Brief schrieb und ihm von dem Vorhaben berichtete, antwortete der Pentlinger Kardinal: "Mit großer Freude und Dankbarkeit habe ich von dem Beschluss des Gemeinderates Kenntnis genommen, mir als erstem Pentlinger die Ehrenbürgerschaft in dieser schönen Gemeinde zu verleihen, die mir zur Heimat geworden ist." In Pentling hat Joseph Ratzinger Feuerwehrautos gesegnet, Glocken geweiht, den Kindergarten eröffnet und Messen gefeiert.

Seit dem Konklave hat Papst Benedikt "sein Häusle", wie er es selbst genannt hat, nicht mehr besucht. Aber - wenn er nach Deutschland kommt, dann wird Joseph Ratzinger auch wieder in diesen Garten gehen, in dem er so oft die Katze Chico des Nachbarn begrüßt hat; er wird wieder durch das Tor das Haus gehen, wo er so viele heitere Stunden verlebt hat - und an dessen betonierter Außenwand heute neben dem dunkelbraunen Garagentor natürlich eine dunkelrote Platte hängt, die das Haus als Wohnhaus des Papstes ausweist. Der Päpstliche Reisemarschall hat's schon eingehend besichtigt. Und den Papst und seinen Bruder werden hier endlich mal wieder private Stunden geschenkt, so, wie sie sich's beide für ihren Lebensabend vorgestellt haben - und nicht in den marmorglänzenden freskierten Gängen der Apostolischen Paläste in Rom oder Castel Gandolfo.

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 10.09.2006

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