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Bistum Erfurt

Den Grundwasserspiegel heben

Podiumsdiskussion zur Bistumswallfahrt zur Zukunft der Gemeinden / Leporello vorgestellt

Melanie Voß vom Frauenfokolare Erfurt ergriff abschließend das Wort, um über die Möglichkeiten eines christlichen Lebens in Gemeinschaft zu berichten. Foto: Holger Jakobi

Erfurt - Im Bistum Erfurt wurde ein Leporello mit Impulsen für die Seelsorge erarbeitet. Zur Bistumswallfahrt am vergangenen Sonntag wurde es vorgestellt und verteilt.

Gemeinsam soll im Bistum Erfurt künftig nicht nur über Strukturveränderungen gesprochen werden, sondern auch davon, was in den veränderten Strukturen alles möglich ist. Bischof Joachim Wanke betonte in seiner Predigt: "Mit seinen sieben Seiten will das Leporello ein Stichwortgeber sein für Gespräche in den Gemeinden, Familien und Gruppen." Um dieses Anliegen noch einmal zu vertiefen, nutzte der Bischof eine Podiumsdiskussion, zu der er ins Coelicum eingeladen hatte.

Dabei machte der Bischof deutlich, dass die Seelsorge im Jahr 2005 eine Seelsorge der offenen Tür sein müsse. Zudem komme es auf eine Seelsorge an, die die Menschen auf "dem von Gott geschenkten und gewiesenen Weg begleitet". Und schließlich solle Seelsorge, "dem dürstenden Menschenherzen das ,lebendige Wasser‘ reichen". Beim Durchblättern des Leporellos wurde schnell deutlich, dass eine solche Begleitung nicht von Ordensleuten, Pfarrern, Diakonen und Gemeindereferenten allein geleistet werden kann, sondern alle Christen – wenn auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten – angesprochen sind.

Beispiele aus den Gemeinden sollten erste Ideen zu einer veränderten Seelsorge verdeutlichen. So stellte Pfarrer Stephan Riechel aus Ilmenau ein Projekt vor, das derzeit in seiner Gemeinde vorbereitet wird. Konkret geht es darum, den geistlichen Grundwasserspiegel zu heben. "Um eine missionarische Gemeinde sein zu können, müssen wir zuerst wieder die Quellen erschließen, aus denen der Glaube lebt", betonte Pfarrer Riechel. Angestrebt wird, das sich über Jahre hinweg immer wieder Teams bilden, die der ganzen Gemeinde Themen und Fragen des Glaubens nahe bringen.

Ein anderes Beispiel kam aus Apolda, wo unter anderem zu Familientagen eingeladen wird, bei denen Eltern und Kinder bis Impulse für die Feier des Kirchenjahres erhalten. Oder in der Gemeinde St. Wigbert/Crucis in Erfurt, die gemeinsam mit den evangelischen Christen der Thomaskirche überlegt, für wen sie eigentlich da sind. Eine Stadtteilanalyse vermittelte in diesem Prozess erste Einsichten. In St. Wigbert wurden zudem gute Erfahrungen mit der Öffnung der Kirche gemacht – eine Chance, mit den Menschen über die christliche Symbolik ins Gespräch zu kommen. Und schließlich stellte Melanie Voß vom Erfurter Frauenfokolare die Möglichkeiten und Chancen intensiven gemeinschaftlichen Lebens vor. Vorgestellt wurde zudem das Projekt, einer neben dem Reliunterricht laufenden Katechese, die helfen kann Schülerinnen und Schüler in der Gemeinde zu beheimaten.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 38 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 25.09.2005

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