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Bistum Dresden-Meißen

Die DDR als brauner Schoß?

Leibnizforum ging neuen rechten Strömungen auf den Grund

Leipzig - Den Wurzeln des heutigen Rechtsradikalismus widmete sich Konrad Weiß, Filmregisseur und ehemaliges Bundestagsmitglied in der Fraktion "Bündnis 90 / Die Grünen" in der ersten diesjährigen Veranstaltung des Leipziger Leibnizforums.

Konrad Weiß weiß, wovon er redet. Er stellte schon 1988, als er sich mit der erstarkenden rechtsradikalen Jugendkultur in der DDR auseinander setzte, fest: "Sie sind das Produkt unserer Gesellschaft, es sind unsere Kinder". Im Leibnizforum sprach er zum Phänomen des Neo-Nationalsozialismus, der heute im Kommen ist. 9,2 % der Wähler bei den Landtagswahlen in Sachsen haben der NPD zu zwölf Sitzen in diesem Landtag verholfen, und in den anderen dort vertretenen demokratischen Parteien gibt es offensichtlich Sympathisanten.

Was sind die Ursachen, Trends und Ziele der Rechtsradikalen? Ursächlich ist nach Ansicht von Weiß der Geburtsfehler der DDR. Die im Nationalsozialismus verfolgten Kommunisten hätten zwar den ehrlichen Willen gehabt, alles besser zu machen, ihre Tragik sei gewesen, dass sie als Handlanger des stalinistischen Terrorstaates von Opfern zu Tätern wurden.

Die Möglichkeiten einer historisch kritischen Aufarbeitung seien somit vertan worden. Und dieser Konstruktionsfehler führte zu Unehrlichkeit, unmündiger Abhängigkeit, Massendenken und Klassenkampf, erläuterte Weiß: Schon in den 70er Jahren ist bei jungen Menschen kein Wissen mehr vorhanden über NS-Staat, Juden, die Shoa. In den 80er Jahren ist der Verdruss über antifaschistische Erziehung, absurdes Nationalgefühl (der Begriff "Deutschland" wird von "sozialistischer Nation" abgelöst), über die "Null-Bock-Einstellung" und die Ausreisewilligen so stark, dass sich sogenannte "Eliten" bilden, insgeheim unterstützt von einer frustrierten Großelterngeneration. Gewalt als Konfliktlösung wird von großen Teilen der Bevölkerung akzeptiert. Unauffällige Zeitungsmeldungen häufen sich, in denen von fremdenfeindlichen Überfällen, Schändungen von jüdischen Friedhöfen und militanten Gruppen, die in den Wäldern um Berlin "Manöver" abhielten, berichtet wird.

Eine weitere Verunsicherung der Halbwüchsigen zu Anfang der 90er Jahre war die 180-Grad- Wende vieler Eltern, Lehrer und Erzieher. Auf der Suche nach Sicherheiten und einfachen und griffigen Formeln zur Lebensbewältigung boten sich die rechten Parolen an.

Polemisch wird von "völkischen Gedanken", "Blutzugehörigkeit", "Ausländerausweisung", Kirchenund Judenfeindlichkeit, sogar von Verfassungsfeindlichkeit geredet. Der Trend der Rechtsparteien zum Zusammenschluss zu Wahlbündnissen erhöht ihre Chancen zum Einzug in Parlamente, sagte Konrad Weiß. Eine politische Auseinandersetzung mit diesen Polemiken sei wohl kaum möglich, schon gar nicht, wenn das Parteiengezänk Priorität behalte. Da es eindeutige neo-nationalsozialistische Aussagen gebe, die verfassungsfeindlich sind, sei die NPD laut Grundgesetz staatsgefährdend und sollte verboten werden, forderte Weiß. Nicht, dass damit braunes Gedankengut verschwinde, aber als eindeutiges Zeichen für potentielle Wähler.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 6 des 55. Jahrgangs (im Jahr 2005).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 14.03.2005

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