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Auf zwei Minuten

Die Bibel: Unser täglich Brot

Man kommt mit der Lektüre der Bibel an kein Ende, eine Frage ergibt die andere

Pater Damian

Die Kaufhausketten und andere Firmen veranstalten von Zeit zu Zeit besondere Promotionswochen. In der "Italienischen Woche" versuchen sie, Produkte aus Italien an die Kunden zu bringen. Entsprechend gibt es dann französische oder spanische Wochen. Winzer bieten in einer "Weinwoche" ihre Weine auf dem Markt einer Großstadt an und locken Käufer durch kostenlose Weinproben an. Auch von nicht-kommerzieller Seite gibt es Tage, Wochen und Jahre, die bestimmte Themen in Erinnerung rufen: Tag des Baumes, Tag der Freiheit, Weltfrauentag, Muttertag, Woche der Brüderlichkeit, Jahr des Kindes und Jahr der Bibel: Alles Anliegen, die uns nicht nur einmal im Jahr oder ein Jahr lang beschäftigen sollen, sondern mit denen wir täglich zu tun haben oder zu tun haben sollten!

Wenn die Kirche dieses Jahr als das Jahr der Bibel ausgerufen hat, bedeutet das: Das Lesen des Wortes Gottes in der Bibel ist noch nicht zur täglichen Praxis geworden. Wir müssen dazu erneut ermuntert und angeleitet werden. Jeder Tag soll ein Tag der Bibel werden.

Die Bibel -eine Sammlung von 73 Einzelbüchern -ist sehr alt. Das macht sie nicht leicht zugänglich. In vielen Teilen deckt sie sich wenig mit unserem Wissen und unserem Weltbild. Berichte über im Namen Gottes geführte Kriege oder Fluchpsalmen können zutiefst irritieren. Man braucht Glauben und Geduld und auch Informationen, um den Zugang zum "Gotteswort als Menschenwort" zu finden. Hilfreich sind Bibelausgaben mit ausführlichen Anmerkungen und Verweisen (wie zum Beispiel die "Jerusalemer Bibel"). Außerdem gibt es gute Einführungen und Kommentare. Die Schwierigkeiten sollten uns aber nicht davor abschrecken, die Bibel in die Hand zu nehmen und einfach zu lesen anzufangen.

Einfaches Lesen der Bibel als Wort Gottes ist heute wie früher deshalb möglich, weil nicht wenige Aussagen der Heiligen Schrift unsere existentiellen Fragen, Freuden und Sorgen, unsere Glaubenserfahrungen ansprechen. Ich lese die Bibel und verweile dort, wo mich ein Wort, eine Geschichte, ein Gleichnis Jesu persönlich berührt. Solche Stellen streiche ich mit Bleistift oder Marker an. Das ist neben dem Gebet das tägliche geistliche Brot. Manches Wort wird uns schwer verdaulich erscheinen, manches stellt uns in Frage, manches lässt uns nicht mehr los; andere Worte wirken auf uns befreiend und ermutigend. Der ernsthafte Bibelleser wird feststellen: Man kommt mit der Lektüre an kein Ende, eine Frage ergibt die andere. Rabbi Jizchak Meir von Ger (1799 bis 1866) fragte einmal einen jungen Mann, ob er die Schrift studiert habe. "Ein kleines Stück davon", war die Antwort. "Weiter ist nie jemand in der Schrift gekommen", meinte der Rabbi darauf.

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 07.04.2003

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