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Aus der Region

Mehr Straftaten als Bewohner

Vatikanstaat kämpft gegen hohe Kriminalitätsrate

Vatikanstadt (kna) - Der Vatikanstaat weist statistisch eine extrem hohe Kriminalitätsrate auf und hat Schwierigkeiten, alle Strafprozesse in angemessener Zeit zu bewältigen. Dies geht aus einem jetzt veröffentlichten Bericht des vatikanischen Staatsanwalts, Nicola Picardi, zum Beginn des neuen Gerichtsjahres hervor. Hauptgrund für die extrem hohe Rate ist der große Anteil der "Durchgangs-Kriminalität", die von Nicht-Anwohnern an Touristen begangen wird.

Die meisten im Vatikanstaat verfolgten Straftaten sind Eigentumsdelikte wie Diebstahl, Unterschlagung oder Betrug, gefolgt von Fällen der Beamtenbeleidigung. Besonders hilflos steht die Vatikan-Justiz den Diebstählen gegenüber. Laut Picardi können die Diebe in mehr als 90 Prozent der Fälle unerkannt entkommen.

Der Staatsanwalt wies in dem Jahresbericht, der erstmals den Medien zugänglich gemacht wurde, darauf hin, dass es bei einer Zahl von nur 455 ständigen Bewohnern des Kleinstaates -darunter 203 Vatikanbürger -im Jahr 2002 nicht weniger als 608 Strafverfahren gab. Dies entspricht einer im internationalen Vergleich herausragenden Quote von 133,6 Prozent. Die Republik Italien weist eine Quote von 4,75 Prozent auf. Die 2002 drastisch gestiegene Zahl der Strafverfahren hat nach Picardis Überzeugung zu einer Überlastung der vatikanischen Gerichte geführt. Die durchschnittliche Prozessdauer habe sich mittlerweile der italienischer Gerichte angepasst, die im internationalen Vergleich nicht als "vernünftig" gelten könne. Um zu vermeiden, dass sich immer mehr Prozesse unerledigt anhäuften, müsse nach Vorbild deutscher oder angelsächsischer Rechtssysteme die Funktionsweise der ersten Instanz verbessert und vereinfacht werden, so der Vatikanjurist. Der Vatikanstaat in seiner heutigen Gestalt verfügt seit 73 Jahren über eine eigene Gerichtsbarkeit in Zivil- und Strafsachen. Diese besteht aus den Institutionen Einzelrichter, Gericht, Berufungsgericht und Kassationsgerichtshof. Davon zu unterscheiden sind die drei beim Heiligen Stuhl angesiedelten Gerichte für kirchenrechtliche Verfahren, etwa die "Rota", die in der Regel als übergeordnete Instanzen für Kirchengerichte auf Diözesanebene fungieren.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 17.01.2003

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