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Aus der Region

Der Kampf gegen das Klonen

Streit um Vorgehen bei der UNO / Jüsten: Kein Kompromiss bei PID

Berlin - Geht die Bundesregierung international nur halbherzig gegen das Klonen menschlicher Embryonen vor? Das behauptet Maria Böhmer, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU im Bundestag. Bei den Vereinten Nationen hatte Deutschland sich zwar zusammen mit Frankreich für ein Verbot des reproduktiven Klonens eingesetzt, aber nicht das Anliegen der USA unterstützt, generell jegliche Form derartiger Nutzung von Embryonen zu ächten. In Deutschland ist das Klonen generell verboten. Der politische Streit in Berlin dreht sich derzeit darum, wie auf internationaler Ebene mit dieser bioethischen Frage umgegangen werden soll. Die Bundesregierung hat sich immer wieder gegen Vorwürfe gewehrt. Die generelle Ächtung des Klonens sei nicht durchsetzbar, deswegen habe man sich auf ein Verbot des reproduktiven Klonens beschränkt. Das so genannte therapeutische Klonen oder auch forschende Klonen sei deswegen bei den Verhandlungen ausgeklammert worden.

Nebelkerzen aus dem Forschungsministerium?

In einem Interview hat sich Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) nun - für einige überraschend - umfassend gegen das Klonen von Menschen ausgesprochen, gleichzeitig aber ein Hintertürchen geöffnet: "Beim therapeutischen Klonen könnten sich einige Verfahren als ethisch unbedenklich erweisen." Gemeint sei die Forschung an so genannten adulten, also erwachsenen Stammzellen, erklärte ihr Sprecher Florian Frank. Um all das zu klären, hat die Bundesregierung nun eine internationale Klonkonferenz angekündigt. Für Maria Böhmer sind das Nebelkerzen: "Die Klonkonferenz darf nicht dazu führen, dass die Entscheidung auf die lange Bank geschoben wird", sagte Böhmer dieser Zeitung. Zusammen mit neun Fraktionskollegen will sie in dieser Woche einen Antrag einbringen, der die Bundesregierung verpflichten soll, auf ein weltweites Klonverbot zu drängen. Auf der Klausurtagung der Grünen in Wörlitz gab es derweil eine Annäherung der Positionen von Außenminister Joschka Fischer und der Bundestagsfraktion. Die Grünen-Fraktion bemüht sich darum, einen Beschluss zur generellen Ächtung des Klonens herbeizuführen, heißt es aus dem Bundestag. Damit gäbe es eine Kehrtwende der bisherigen Politik.

Der Vorsitzende des Nationalen Ethikrats, Spiros Simitis, hat sich für ein internationales Verbot des reproduktiven Klonens ausgesprochen. Er plädierte außerdem indirekt für eine begrenzte Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID). Das Thema steht am 23. Januar auf der Tagungsordnung des Nationalen Ethikrates. Ein Votum, das die Selektion von Embryonen im Reagenzglas erlaube, würde auf heftigen Widerstand der Kirchen stoßen, kündigte Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros in Berlin, auf Anfrage an. Hier könne es keinen Kompromiss geben. Zugleich schloss der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst, der dem Nationalen Ethikrat angehört, den Rückzug der Kirche aus dem Ethikrat nicht aus. Dessen Beratungen zum Stammzellenimport seien der Öffentlichkeit nur unbefriedigend vermittelt worden. Sollte sich dies wiederholen und er den Eindruck einer "bewussten Steuerung" haben, werde er seinen Rückzug in Erwägung ziehen.

Volker Resing/kna

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 17.01.2003

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