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Bistum Magdeburg

Ein Angebot vor allem fürs Personal

Flughafen Leipzig-Halle eröffnet Kapelle / Christian Grubert katholischer Flughafenpfarrer

Schkeuditz (dw) -Vorbei an den Reisebüros mit ihren Last-Minute- Angeboten gelangt man im Terminal B des Flughafens Leipzig / Halle seit dem ersten Oktober zu einem zeitloseren Angebot: Eine orgelähnliche Wanddekoration aus Weißblech markiert den Eingang zur neuen ökumenischen Flughafenkapelle. Der kleine -mit dezent gefärbten Fensterglasflächen, hellem Holz und einem Kreuz gestaltete -Raum soll Menschen aller Weltanschauungen rund um die Uhr zum Innehalten und zum Gebet einladen.

"Gerade an einem Flughafen, wo grenzenlose Mobilität und Betriebsamkeit ihren Höhepunkt haben, tut ein Ort der Stille gut", sagte Bischof Leo Nowak, bevor er und sein evangelischer Kollege aus Dresden, Volker Kreß, die Kapelle segneten. Er wünsche allen Besuchern der Kapelle die Erkenntnis, dass ein betriebsames Leben sich im Kreis zu drehen droht, wenn die Mitte fehlt, ein Ziel aller Mobilität, das man in Gott finden könne, sagte Bischof Nowak den Gästen des Eröffnungsgottesdienstes.

Unmittelbar neben der Kapelle haben die neu ernannten Flughafenpfarrer ihre Büros, Christian Grubert als katholischer, Dr. Mathias Richter als evangelischer evangelischer Seelsorger. Sie werden demnächst feste Gottesdienstund Sprechzeiten einrichten, verstehen sich dabei aber keinesfalls vorrangig als Ansprechpartner für Fluggäste. "Flughafenseelsorge ist in erster Linie Betriebsseelsorge", erklärt Flughafenpfarrer Grubert, wenngleich sich erst in den nächsten Monaten zeigen werde, wie sich das seelsorgliche Angebot am Flughafen Leipzig / Halle mit Leben erfüllt.

Dass Flughafenseelsorge gebraucht wird, daran zweifelt auch Wolfgang Hesse nicht, der Geschäftsführer des Flughafens. Von ihm ging bereits vor einigen Jahren die Initiative aus, Kirche in den Flughafen zu holen. Ausschlaggebend war für ihn dabei die Erkenntnis, dass viele Menschen in den Jahren der DDR und danach den Verlust von Werten hinnehmen mussten. "Flughafenseelsorge kann in dieser Hinsicht etwas bieten, das weder die Flughafengesellschaft noch die Gewerkschaft leisten kann", ist Hesse überzeugt.

Pfarrer Grubert hat sich bei Praktika in Frankfurt und München mit den spezifischen Sorgen des Flugpersonals ein Stück vertraut gemacht. Mitarbeiter der Luftfahrt seien aufgrund ihrer besonderen Arbeitssituation oft großen Belastungen ausgesetzt, hat er dabei erfahren. Das gelte nicht nur für das fliegende Personal mit Lebensrhythmen, die sich mit dem Alltag von Familien, Freundeskreisen und Kirchengemeinden nur schwer überein bringen lassen. Auch viele Mitarbeiter am Boden tragen schwer an ihrer Verantwortung für die Passagiere, die ihnen anvertraut sind. Fehler und Nachlässigkeiten haben auch hier oftmals gravierende Folgen. Zudem gehe die Auseinandersetzung mit immer anderen Menschen, Kulturen und Mentalitäten an niemandem spurlos vorüber.

Letzteres kann Christian Grubert besonders intensiv nachempfinden. Zur Vorbereitung auf seinen neuen Dienst hat er einen Englisch-Sprachkurs absolviert und währenddessen ein Jahr in der Gemeinschaft der Weißen Väter im Norden von London verbracht. Dort lebte er mit Angehörigen von vierzehn sehr unterschiedlichen afrikanischen Nationen zusammen. Das kirchliche Engagement am Flughafen sieht er nicht zuletzt als Ergebnis der wachsenden Einsicht, dass Kirche ihre verlorene Präsenz in der Arbeits- und Freizeitwelt zurückholen muss, wenn sie ihrem Sendungsauftrag gerecht werden will.

Weltweit gibt es mittlerweile weit über 100 Flughafenpfarrer. Pater Walter Maader, der vor 30 Jahren in Frankfurt die erste deutsche Flughafenkapelle mit aufgebaut hat, überbrachte zur Einweihung des neuen Andachtsraums Grüße des weltweiten Zusammenschlusses der Flughafenseelsorger, dem auch einige jüdische Rabbiner und muslimische Imame angehören.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 10.10.2002

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