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Aus der Region

Angebot vernetzen

Zu Chancen der Familienbildung

Familienbildung stärken: Für Barbara Lohfink eine Aufgabe auch der Kirche.

Der Familienbund im Bistum Magdeburg hat kürzlich mehr Hilfen für Eltern gefordert und beklagt, das Netz an Familienbildungsstätten sei in den neuen Bundesländern "ungenügend ausgebaut". Eine der wenigen Familienbildungsstätten in der Region befindet sich in Naumburg. Der TAG DES HERRN sprach mit Leiterin Barbara Lohfink.


Frage:
Frau Lohfink, welche Chancen bietet eine Familienbildungsstätte?


Lohfink:
Zunächst helfen die Angebote einer Familienbildungsstätte, der Isolation von Eltern und besonders von Frauen mit kleinen Kindern entgegenzuwirken. Das erste Kind ist ein gewaltiger Einschnitt im Leben, bei dem die Eltern weitgehend auf sich selbst verwiesen sind. Mit entsprechenden Angeboten kann man ihnen Orientierung geben und den Austausch mit anderen Eltern und die gegenseitige Hilfe fördern. Dabei relativieren sich auch manche Probleme.


Frage:
Welche zum Beispiel?


Lohfink:
Da geht es zunächst um Fragen wie das Stillen, die Säuglingspflege, die Rückbildungsgymnastik für die Frauen. Wer ein Kind zur Welt bringt, muss ab diesem Zeitpunkt ständig für das Kind dasein. Das hat Konsequenzen für das Paar. Es geht aber auch darum, Bewältigungskompetenz für die Haushaltsführung zu entwickeln. Hinzukommt, dass Eltern in dieser Phase meist weniger Geld haben als vorher: Die Kinder kosten, der Wohnungswechsel kostet, ein Gehalt fällt zum Teil oder ganz aus. In späteren Familienphasen geht es dann zum Beispiel darum, wie Konflikte ausgetragen werden oder um den Fernsehkonsum.


Frage:
Was kann Familienbildung da leisten?


Lohfink:
Viele Paare nehmen bei uns an der Geburtsvorbereitung teil. Wir bieten Eltern- Kind-Gruppen, Stillberatung, Rückbildungsgymnastik, Tipps für die Säuglingspflege, Elterngesprächsabende zu Erziehungsthemen an. Auch ethische Fragen spielen eine Rolle. Nicht zuletzt möchten wir dazu beitragen, dass Familie und Kinder auch Freude machen. Dazu gehören kulturelle Angebote und Impulse etwa im Blick auf den Jahreskreis. Und dank vieler Ehrenamtlicher kann die Familienbildungsstätte auch noch ganz praktische Hilfen wie die Kindersachenbörse oder Babysitterdienste anbieten.


Frage:
Werden die Angebote angenommen?


Lohfink:
Im Blick auf das Säuglings- und Kleinkindalter werden unsere Angebote sehr gut angenommen. Auch Angebote, bei denen Frauen etwas für sich tun können und zu innerer Ausgeglichenheit finden, sind sehr gefragt. Vieles ist gut aufgebaut und manches könnte noch getan werden. Manchmal ist dies leider auch eine Frage der Ressourcen. Und da mangelt es eben auch in den neuen Bundesländern noch an Familienbildungszentren. Auch katholischerseits sind Bedeutung und Chancen von Familienbildung in der Nachwendezeit nicht immer ausreichend im Blick gewesen. Bei genauerem Hinschauen gibt es zwar eine Reihe von Angeboten, die aber dringend vernetzt und kompakt angeboten werden müssten.

Interview: Eckhard Pohl

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 41 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 10.10.2002

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