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Bistum Dresden-Meißen

Wie Kinder in Engelsdorf an die Buße herangeführt werden

Kinderbeichte

Engelsdorf (ms/tdh) - In der Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion im Mai diesen Jahres feierten in der Gemeinde St. Gertrud in Engelsdorf 13 Mädchen und Jungen das Sakrament der Buße. Schon im vorangegangenen Unterricht waren sie darauf vorbereitet worden, daß geliebtwerden und liebhaben zu den Voraussetzungen menschlichen Lebens gehört. Nun bekamen sie erzählt, daß die Liebe Gottes so groß ist, daß er alle unsere Schuld vergibt, wenn man bereit ist Fehler einzugestehen, und den Weg der Reue, des Umkehrens antritt, auch wenn man selber diese Liebe zum anderen mißachtet hat

Gerade vor der ersten Kommunion sollten sich die Kinder überlegen, wo in ihrem Handeln Fehler liegen, die sie bereit sind einzugestehen und auch merken, hier muß ich mich ändern. Natürlich hatten viele der Drittklässer großes Herzklopfen vor diesem Schritt. Doch es war ein Anliegen der Verantwortlichen die jungen Gemeindemitglieder liebevoll an das Sakrament der Buße heranzuführen und den Tag entsprechend zu gestalten. Mit den Eltern und Geschwistern wurde in die Kirche - dem Haus Gottes - eingeladen. Gemeinsam wurden Lieder gesungen, dann erst bat man jedes einzelne Kind zum Pfarrer zu gehen und das Eingeständnis der Schuld vor ihm zu sprechen, aber auch den Willen zur Wiedergutmachung zu zeigen. In der Zwischenzeit gestaltete die Gemeindereferentin Carola Gans im Altarraum ein Suchspiel des Glaubens

Alle anwesenden Kinder durften an einem großen blauen Tuch anpacken. Der Kreis, der sich bildete war groß. Hier erkannten die Kinder, nachdem sie das Tuch geschwungen hatten, daß es den Himmel, als auch das Meer, also die Erde symbolisieren könnte. Und der erklärende Satz, daß Gott im Himmel wie auf Erden ist, wurde ganz selbstverständlich aufgenommen. Ein kreisender Ball in einer Holzschale der von Hand zu Hand gereicht wurde, zeigte, daß auch der Glaube stets in Bewegung ist. Etwas später wurde ein Holzteller, symbolisiert als Altar, in die Mitte des blauen Tuches gestellt. Und Jesus, das Licht das uns leuchtet, der uns Wärme, Mut und Kraft schenkt, der stets in unserer Mitte weilt, fand auf diesem Teller Platz in Form einer brennenden Kerze

Aus gelben Servietten wurde ein Rad mit Speichen konzipiert. Und die drei Jungen und zehn Mädchen konnten schnell daraus ableiten, daß eine Kirchgemeinde wie ein Rad ist. Ohne Speichen, die den einzelnen Christen symbolisieren, fällt das Rad zusammen, hat es keine Stabilität. Im Anschluß daran bauten sich die Kinder aus Pfeifenreinigern eigene Räder, ganz so wie es jeder wollte. Manch einer legte bunte Murmeln, andere Strohblumen hinein, und jedes Kind suchte ein Teelicht aus. Dieses durfte an der Kerze in der Mitte entzündet werden. Und auch hier verstand jeder im Kirchenraum, daß man sich an Jesus entzünden kann, sein Licht weitertragen soll, man Feuer und Flamme für das Wort Gottes sein soll

Nachdem alle Sieben- bis Neunjährigen das Bußsakrament empfangen hatten, wurden die aufgeschriebenen Kindersünden im Vorhof verbrannt. So wie das Feuer das Papier zur Asche verbrannte, sollten die erkannten Fehlleistungen auch symbolisch "Asche" sein

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 49. Jahrgangs (im Jahr 1999).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 28.03.1999

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