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Bistum Dresden-Meißen

Nachwirkungen erwünscht

Fünf Jahre Bischof-Benno-Haus Schmochtitz

Schmochtitz (jak) - "Von Anfang an stand in unserem Haus die Frage, wie kann Kirche nach außen wirken", berichtet Dr. Peter-Paul Straube, der Pädagogische Leiter des Bischof-Benno-Hauses Schmochtitz. Am 14. September feiert die Einrichtung das fünfjährige Bestehen. Eine Zeit liegt hinter allen Mitarbeitern, in der die zu Anfang gestellte Frage immer wieder neu beantwortet werden mußte

Heute, so Dr. Straube, teilen sich die Aktivitäten und Möglichkeiten in vier Bereiche: Kirche nach außen; Ost-West-Begegnungen; die Suche, was heißt Christsein heute und als viertes, ein Bildungshaus in und für die Region

Dabei kommen zu den Angeboten des Hauses, der Pastoral und anderer kirchlicher Gruppen immer wieder Belegungen, wie beispielsweise durch die Bundeszentrale für politische Bildung. Peter-Paul Straube freut sich bei allen Kursen über jeden Nichtchristen, der die Schwellenangst überwindet und den Schritt ins Bischof-Benno-Haus wagt. Kürzlich kam er mit zwei Frauen ins Gespräch, die zuerst die Befürchtung hatten, als "nichtkirchliche" in Schmochtitz wie "schwarze Schafe" angesehen zu werden. Diese Befürchtung erfüllte sich nicht und beide waren froh am Kurs teilgenommmen zu haben. Zur Zeit läuft in regelmäßigen Abständen ein "Grundkurs des Lebens und Glaubens", eine besondere Chnace mit verschiedenen Menschen ins Gespräch zu kommen. Dr. Straube gab daher das Angebot an das Kultusministerium weiter, wo es in die Weiterbildungsmaßnahmen für Lehrerinnen und Lehrer aufgenommen wurde

Eine, die sich anmeldete, unterrichtet im Fach Ethik. Ihr abschließendes Fazit klang in etwa so: "Ich hätte nie gedacht, daß man an zwei Tagen den Christen so frei und offen in die Karten sehen kann..." Zwei Erfahrungen, die Peter-Paul Straube nicht ohne Stolz erzählt. "Wissen Sie", so sagt er, "viele Menschen haben Angst zu einer Veranstaltung in ein Pfarrhaus oder in eine Kirche zu gehen. Bei einem Bildungshaus ist das etwas anders. Aus unserer Erfahrung heraus sind die Berührungsängste hier in Schmochtitz wesentlich geringer." Und gerade für Nichtchristen ist die im Bischof-Benno-Haus zu vermittelnde Erfahrung wichtig, daß sich auch Christen auf der Suche befinden und nicht mit perfekten Antworten daherkommen, betont der Pädagogische Leiter

Ihm ist es ein Herzensanliegen, daß eine Atmosphäre erfahrbar ist, in der sich der einzelne nicht bedrängt fühlt. Nur so könne es gelingen, zu einem bewußten Leben beizutragen und den Gästen Mut zu vermitteln, selbst im Alltag aktiv zu werden. Dr. Straube formuliert es mit den Worten: "Wer nach Schmochtitz kommt, muß es sich etwas im Leben kosten lassen. Auch die Bereitschaft, in der Nacht eine schlaflose Stunde in Kauf zu nehmen." Ihm geht es um die investierte Zeit, die Beschäftigung mit den Themen und um die innerlichen Nachwirkungen eines Kurses, die Haltung, etwas für das Gemeinwohl tun zu wollen

Ein anderer Apekt der Arbeit, bedingt durch die Nähe zum Lausitzer Dreiländereck, widmet sich den Kontakten zu Polen und Tschechien. So bestehen Kontakte zu einem tschechischen Bildungshaus, das zur Zeit aufgebaut wird. Aber auch Gruppen und Gemeinden können sich in Schmochtitz treffen. Auf Wunsch stellt das Haus dann ein entsprechendes Programm zusammen. Ebenso sind Kurzbesuche im Bischof-Benno-Haus möglich. So gibt es neben verschiedenen kulturellen Angeboten beispielsweise das Schmochtitzer Forum, eine Abendveranstaltung die sich aktuellen Themen widmet

Die Einweihung des Bischof-Benno-Hauses im Jahr 1992 ist jedoch nur eine Etappe eines Weges, der für die katholische Kirche in Schmochtitz schon 1927 begann. Damals wurde im alten Rittergut das Priesterseminar der 1921 wiedererrichten Diözese Meißen eingerichtet. Insgesamt haben 95 Priesteramtskandidaten das Seminar St. Petrus in Schmochtitz besucht. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde Schmochtitz das Zentrum der Kirchlichen Landwirtschaft. Aus erwirtschafteten Mitteln machten sich die Verantwortlichen 1986 daran, die verbliebene Bausubstanz des Schlosses zu sichern und den Aufbau zu beginnen. Ursprünglich sollte ein Erholungsheim für Eltern mit behinderten Kindern errichtet werden, schreibt Franz Triebs, bis nach der Wende Leiter des Kirchlichen Landwirtschaftsamtes, in einem Bericht. Die Eröffnung als Bischof-Benno-Haus erfolgte dann am 1. September 1992

Insgesamt verfügt das Bischof-Benno-Haus über 70 Zimmer und 100 Betten, im Jahr werden rund 15000 Übernachtungen mit Vollpension gezählt. Für das leibliche und geistige Wohl engagieren sich 15 Mitarbeiter, darunter drei Ordensfrauen. Sie gehören zu den Maria-Ward-Schwestern und stammen aus Fulda und Mainz. Peter-Paul Straube betont, daß die Frauen dem Haus eine besondere Atmosphäre geben. Und für alle ist es wichtig, daß sie sich als Mannschaft verstehen, die gemeinsam für die Gäste an einem Strang zieht

Am 14. September wird aber erstmal in Schmochtitz gefeiert. Um 10.30 Uhr beginnt ein Dankgottesdienst mit dem Bischof, um 14 und um 16.30 Uhr finden Konzerte statt und im Haus und im Park gibt es Führungen, diese beginnen um 14 und um 15 Uhr. Dieser Sonntag steht auch im Zeichen des "Tages des offenen Denkmals", an dem sich die Schmochtitzer in jedem Jahr beteiligen. Übrigens eine weitere Chance, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und die zu Beginn gestellte Frage zu beantworten: "Wie kann Kirche nach außen wirken?"

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 37 des 47. Jahrgangs (im Jahr 1997).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 14.09.1997

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