Jetzt 4 Wochen kostenfrei Tag des Herrn lesen!
Bistum Magdeburg

Eltern neu ins Gespräch bringen

Erziehungs- und Familienberatung der Caritas in Merseburg

In Merseburg bieten Sozialpädagogin Angelika Seifert (Bildmitte)und ihre Mitstreiter neben der klassischen Erziehungs- und Familienberatung für getrennte Familien auch den 'betreuten Umgang' an. Foto: Uwe Naumann Merseburg - Der Caritasverband im Bistum Magdeburg bietet in vier Städten Beratung in Ehe-, Familien- und Erziehungsfragen an. Der Bedarf ist groß, und normalerweise kommen die Ratsuchenden freiwillig. In Merseburg allerdings ist es teilweise auch anders.

"Betreuter Umgang" heißt das spezielle Angebot der Merseburger Caritas-Beratungsstelle, das getrennt lebende Eltern – teilweise unfreiwillig – an den gemeinsamen Gesprächstisch bringt. Denn wenn das Umgangs- oder Sorgerecht für ein Kind neu verhandelt werden soll, kann das Jugendamt oder ein Gericht zunächst den betreuten Umgang der Eltern mit dem Kind verfügen. Dabei trifft sich die ehemalige Familie zum Beispiel in der Merseburger Beratungsstelle, um unter Aufsicht einer Mitarbeiterin den gemeinsamen "Umgang" wieder zu erlernen.

"Das sind oft sehr schwierige Fälle", sagt Angelika Seifert, während ihr verschiedene Beispiele durch den Kopf gehen. Die Leiterin der Caritas-Einrichtung in Merseburg erlebt den betreuten Umgang schon seit einigen Jahren und weiß auch, welche Probleme dieses spezielle Beratungsangebot mit sich bringt: "Wir Berater müssen hier Position beziehen, denn wir übernehmen die Anwaltschaft für das Kind. Damit ist die von uns gewohnte Neutralität weg."

Außerdem sei es immer schwierig, mit Eltern eine einvernehmliche Lösung zu finden, die nicht ganz freiwillig zur Beratung kommen. "Das kann sich über Jahre hinziehen, weshalb manchmal schon ein langer Atem notwendig ist", erzählt die Sozialpädagogin über ihre Arbeit. "Und wenn es schließlich gelingt, die Elternteile neu ins Gespräch zu bringen, dann war die Beratung erfolgreich."

Schwerpunkt Erziehungs- und Familienberatung

Wenngleich der betreute Umgang eine Besonderheit der Merseburger Caritas-Beratung im Bistum ist, so macht sie doch nur einen Teil der Arbeit der vier Mitarbeiterinnen dort aus. "Pro Jahr kommen etwa 250 Familien zu uns, wobei unsere Schwerpunkte auf der Erziehungs- und Familienberatung liegen", grenzt sich Seifert zum Beispiel von Magdeburg ab. In der Landeshauptstadt steht mehr die Paar- und Lebensberatung im Vordergrund, wie die dortige Psychologin Tina Harzer bestätigt. Die unterschiedliche Schwerpunktsetzung resultiere aus der unterschiedlichen Finanzierung, erklärt Angelika Seifert. Während in Merseburg der Landkreis die Hauptlast trage und das Bistum zusammen mit dem Land jeweils noch zehn Prozent beisteuern, sichere in Magdeburg das Bistum die Hälfte des jährlichen Etats ab.

Unabhängig davon quält jede der vier Caritas-Beratungsstellen mit ihren drei bis vier Mitarbeitern das Problem, dass die Nachfrage längst das Beratungsangebot übersteigt. "Wir haben teilweise Anmeldestopps, weil keine Termine mehr frei sind", bedauert die Sozialpädagogin in Merseburg, dass Ratsuchende an andere Einrichtungen verwiesen werden müssen.

Nachfrage übersteigt Beratungsangebot

"Unsere Aufgabenfelder wachsen, aber das Personal nicht", benennt sie kurz das Problem, während ihre Magdeburger Kollegin Tina Harzer beispielhaft anführt, dass seit Januar in der dortigen Einrichtung auch Flüchtlinge beraten werden. Für die Zukunft wünscht sich Angelika Seifert, "nicht zu viele Leute wegschicken zu müssen und trotzdem fachlich noch gut arbeiten zu können".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 01.09.2006

Aktuelle Buchtipps