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Bistum Dresden-Meißen

Die Aussicht auf Befreiung

Michael Morgner gestaltet neue Fenster für die Dresdner St.-Josef-Kirche

Pfarrer Johannes Groß mit den Entwürfen von Michael Morgner vor einem zur Probe gestalteten Fenster in der katholischen St.-Josef-Kirche in Dresden-Pieschen. Foto: Tomas Gärtner Dresden - Die St.-Josef-Kirche in Dresden-Pieschen soll neue Fenster bekommen. Gestalten will sie der 1942 in Chemnitz geborene Michael Morgner, der zu den bekanntesten deutschen Künstlern zählt. Er war als Sieger aus einem von der Pfarrei ausgeschriebenen Wettbewerb hervorgegangen.

Die Jury hatte Morgners Entwürfe als diejenigen bewertet, die der modernen Innengestaltung am besten gerecht werden. In den 70-er Jahren hatte der Bildhauer Friedrich Press (1904 – 1990) gemeinsam mit dem Architekten Hubert Paul die Kirche in einer anspruchsvollen zeitgenössischen Formensprache umgestaltet. Mit säulenartigen Figuren, ganz auf das Wesentliche konzentriert, stellte Press im Altarraum das "himmlische Jerusalem" aus der Offenbarung des Johannes dar. Für die Fenster hatten damals die Möglichkeiten der Gemeinde nicht gereicht. Bis heute fällt das Licht durch Provisorien aus schmucklosem geriffeltem Gussglas.

Auf den Fenstern an den Seitenwänden will Michael Morgner eine menschliche Figur in mehreren Phasen darstellen: Zunächst ist sie eingeschlossen in eine doppelwandige Hülle, die dann Stück für Stück von ihr abfällt. Auf den Fenstern vor dem Altarraum steht die Figur frei, Teile der Hülle umschweben sie. "Ich denke, dass sich die strengen, kubischen Abstraktionen von Press und meine menschlichen Figuren gut ergänzen", sagt Michael Morgner. Zu Friedrich Press hat er bereits seit den 80er Jahren eine intensive innere Beziehung. Ebenso wie Press betrachtet auch Morgner die überlieferten christlichen Themen als die seinen. "Wie er muss ich dafür aber vollkommen neue Formen finden." In ihnen soll sich die Lebenserfahrung der Gegenwart wiederfinden.

Pfarrer Johannes Groß kann dies aus den Entwürfen bereits herauslesen: Jeder Mensch sei eingefasst von Zwängen und Begrenzungen, die ihn in vielfacher Weise behinderten: "Meine begrenzte Zeit, meine begrenzte Gesundheit, meine begrenzten Begabungen. Selbst ein Vater, der seine Arbeit verloren hat, kann in diesen Bildern etwas von seiner Erfahrung wiederfinden." Jeder werde von anderen Menschen gefordert, manchmal überfordert. "Ich erlebe meine Schatten, Krankheiten, Ängste und Zwänge, Hass und Enttäuschung." Aber auf dem Lebensweg, der hier Fenster um Fenster auf den Altarraum mit seiner Vision vom himmlischen Jerusalem zuführe, werde der Mensch von einer Verheißung begleitet: der befreienden Erlösung durch Gott. Nicht alle Gemeindemitglieder können sich mit dieser modernen Fenstergestaltung anfreunden. Doch Petra Warkus, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, meint, diese Fenster passten sehr gut zu dem von Press gestalteten Innenraum. Sie werde als Betrachterin herausgefordert, eine eigene Interpretation zu finden. Damit die Entwürfe nun auch realisiert werden können, braucht die Gemeinde finanzielle Unterstützung und bittet um Spenden.



Informationen

Näheres im Pfarramt:
Tel. (03 51) - 8 48 93 30
Internet: www.stjosef-dresden.de

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 01.09.2006

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