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Aus der Region

Die drei Deutschlandreisen von Papst Johannes Paul II.

Eine Rückschau in Anbetracht des baldigen Deutschlandbesuches von Papst Benedikt XVI.

Pater Eberhard von Gemmingen

Deutschland hat bereits viermal in der jüngeren Geschichte einen Papstbesuch. Eigentlich müsste die Vorarbeit am Schnürchen laufen! Neu freilich ist ein Besuch ausschließlich in Bayern.

Schauen wir zurück: Nur 13 Monate nach seiner Wahl auf den Stuhl Petri hat sich der neue polnische Papst Johannes Paul II. im Herbst 1980 schon nach Deutschland aufgemacht. Es war immerhin seine achte Pastoralreise! Die Stationen waren Bonn, Köln, Osnabrück, Mainz, Fulda, Altötting, München. Die Rundreise dauerte fünf Tage, und der Papst hat dabei nicht weniger als 30 Mal gesprochen. Neben den Eucharistiefeiern gab es Begegnungen mit der Jugend, mit Künstlern, mit Ordensleuten, mit Wissenschaftlern, mit Arbeitern, mit behinderten und alten Menschen, mit Vertretern der evangelischen Kirche, des Judentums, der polnischen Katholiken in Deutschland und vieles mehr.

Der Besuch vermittelte den Eindruck, dass mit dem dynamischen Papst aus Polen ein ganz neuer Ton in der Kirche angeschlagen wurde: ein offener, gesprächsbereiter, kraftvoller und nicht zaghafter Papst, der auf die Menschen zugeht, Absperrungen durchbricht, ganz persönlich im Gebet versinkt. Und die Ökumene bekam einen Schub nach vorne, auch die evangelischen Christen erkannten einen gut deutsch sprechenden offenen Gesprächspartner. Natürlich passierte dann das, was passieren musste: man ordnete ihn in das eigene Denkschema von Progressiv und Konservativ ein. Aber dieses Schema stimmte damals so wenig wie es heute stimmen kann. Damals reichten sich erstmal der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Joseph Ratzinger, und der Bischof von Rom in ihren neuen Ämtern die Hand. Ein halbes Jahr darauf berief der Römer den Münchner nach Rom.

Sieben Jahre später kam der Papst schon wieder. Diesmal - im Jahre 1987 -ging es vor allem um die Seligsprechung von Edith Stein und Pater Rupert Mayer. Endlich mal wieder Christen aus Deutschland, die man aller Welt als vorbildlich präsentieren konnte! Sie von den Nazis getötet, er von ihnen zum Schweigen verurteilt! Sie eine gebildete Vorzeigefrau, er ein volksnaher selbständig denkender Apostel. Es waren große Feiern in den Stadien von Köln und München.

Bei der dritten Deutschlandreise 1996 ging es dem polnischen Kirchenoberhaupt eine Zelebration der wieder gewonnenen Einheit Deutschlands und Europas: er durchschritt feierlich mit Bundeskanzler Helmut Kohl das Brandenburger Tor und sprach zwei Naziopfer selig: den Berliner Domprobst Bernhard Lichtenberg, der öffentlich für die verschleppten Juden gebetet hatte, und den jugendlichen Christuszeugen Karl Leisner. Der Hauptakzent lag also im Olympiastadion in Berlin. Vorgeschaltet wurde eine Stippvisite in Paderborn. Diese dritte und letzte Reise war die politischste, wenn man so sagen darf: das Papstwort, dass Europa wieder mit beiden Lungenflügeln - dem Osten und dem Westen - atmen müsse, war in Erfüllung gegangen. Es war die Voraussetzung dafür geschaffen, dass seine polnische Heimat nicht mehr als Fremdkörper in Europa zu gelten hatte, sondern als Vollmitglied.

Nur ein Jahr ist es her, dass Papst Benedikt in Köln mit einer Million Christen den Gottesdienst feiern konnte. Die vierte Papstreise in Deutschland.

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 32 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.08.2006

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