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Aus der Region

Der Päpstliche Zeremoniär Piero Marini

Die Planungshoheit hat er - von der Sakristei bis zum Meßbuch

Pater Eberhard von Gemmingen

Eine der meist fotografierten Persönlichkeiten der Gegenwart ist der Mann, der bei allen Papstmessen rechts neben oder schräg hinter dem Papst steht: Erzbischof Piero Marini. 1987 kannte noch kaum jemand Georg W. Bush oder Wladimir Putin. Damals trat der Theologe aus der norditalienischen Po-Ebene seinen Dienst als Zeremonienmeister an und ist seitdem ungezählte Male im Fernsehen zu sehen gewesen. Bis heute steht der mittlerweile 64-jährige Erzbischof wenige Meter hinter oder neben seinem Chef, dem Papst, - und das oft viele Stunden lang.

Vor jeder Papstreise fliegt der Liturgiefachmann einmal voraus, um die Altarinseln, aber auch alles, was sich unter dem Altar befindet, zu begutachten: die Sakristei, in der sich der Papst und die konzelebrierenden Bischöfe die liturgischen Gewänder anlegen. Hier muss es auch fließendes Wasser geben und ein paar Stühle, wo sich die meist schon über 60-jährigen Konzelebranten nach dem Gottesdienst einen Augenblick ausruhen können. Hier wird sogar ein heimliches Örtchen gebraucht. Der Papstaltar befindet sich ja oft mitten in einem Fußballstadion, so 1987 in München - oder er steht auf einer Wiese weit draußen vor der Stadt - wie in Regensburg - oder auf einem Flugplatz - wie 1980 in Mainz. Vor einer Papstreise muss an unendlich viel gedacht werden. Und der päpstliche Zeremonienmeister muss die Liturgie, den Gottesdienst von A bis Z gut geplant haben. Es muss aufs I-Tüpfelchen stimmen und dann am Schnürchen laufen. Denn das Fernsehen überträgt auch jeden Fehler bis in letzte Wohnzimmer: ob der Altar zu hoch ist und der Heilige Vater dahinter verschwindet, ob der Thronsitz für den Gast erreichbar ist. Der Zeremonienmeister lässt vor jeder Papstreise ein eigenes Messbuch drucken, in dem in großen Buchstaben alle Gottesdiensttexte stehen. Marini hat mit Papst Johannes Paul II. 70 Pastoralreisen gemacht. Wie er Liturgie versteht, das konnten Millionen von Menschen rund um den Globus beobachten. Und seit Jahrhunderten gilt: Was in Rom gemacht wird, macht anderswo Schule.

Piero Marini ist gut auf seine Aufgabe vorbereitet. In der Theologie spezialisierte er sich auf Liturgiewissenschaft und doziert dieses Fach auch an der Benediktinerhochschule in Rom. Mit 23 Jahren wurde er zum Priester und mit 56 zum Bischof geweiht. Aber schon kurz nachdem der groß gewachsene Priester sein 40. Lebensjahr vollendet hatte, berief ihn Papst Johannes Paul II. zum päpstlichen Zeremoniär.

Vorbereitet hatte er sich darauf als "rechte Hand" des Mannes, der die Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils umsetzte: Erzbischof Bugnini. Dieser galt als ein prononcierter Anhänger der nachkonziliaren Liturgie. Wer gut hinschaut, sah denn auch bei päpstlichen Liturgien in Rom manchen Akzent, den er in der Heimatkirche vermisste. So brachten manchmal Inderinnen tanzend Lichter und Blumen an den Altar. Bei der Öffnung der Heiligen Pforte des Petersdoms zum neuen Jahrtausend hörte man lang gezogene Töne aus afrikanischen Hörnern. Auch das ist Ausdruck der Tätigkeit von Erzbischof Marini, der während seiner "normalen" Tätigkeit als Meister der Zeremonien beim Papstaltar alles im Blick hat und der nur mit den Augen andere dirigiert.

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 31 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.08.2006

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