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Aus der Region

Georg Gänswein

Ein Lebensweg vom Priesterseminar bis zum Papstsekretär

Pater Eberhard von Gemmingen

Ob sich Gertrud und Albert im Hochschwarzwald vorstellen konnten, dass ihr Erstgeborener, der süße kleine Georg, einmal Papstsekretär wird? Sie - die vor kurzem ihre Goldene Hochzeit gefeiert haben - hatten wohl eher damit gerechnet, dass er die Schmiede in Riedern am Wald übernehmen würde. Georg bekam dann noch vier kleine Schwestern. Vermutlich wurde er von ihnen als großer Bruder und bester Skiläufer verehrt. Mit 20 Jahren machte der gute Schüler 1976 in Waldshut am Hochrhein Abitur und verschwand von heimischer Piste, Schulbank und Dorfkirche und trat ins Priesterseminar Freiburg ein. Ob ihm damals schon manche Mädchen nachtrauerten? Sogar die Ehefrau des italienischen Präsidenten Ciampi sprach kürzlich voll Bewunderung über den Papstsekretär. Nach sechs Semestern schickte ihn Erzbischof Saier an die Jesuitenuniversität nach Rom. Nach fünf Jahren empfing er die Priesterweihe. Weiter gings für zwei Jahre als Kaplan in Oberkirch, wo man sich noch heute an ihn erinnert. Genau jetzt vor 20 Jahren meinte Saier, er solle die Rechtsabteilung der Diözese übernehmen und sandte ihn daher zum Studium des Kirchenrechts nach München. Sein Doktorvater, Professor Aymans, hat einmal von ihm - seinem Assistenten - gesagt: "Seine Arbeiten sind ausgezeichnet" Nach sieben Jahren legte er seine Arbeit über die Mitgliedschaft in der Kirche aufgrund der Taufe vor. Er zeigte darin, wie das 2. Vatikanum im neuen Kirchenrecht übernommen wurde. Sein Studiengeld hatte er sich als Skilehrer auf den Brettln verdient. 1994 macht ihn Saier zu seinem persönlichen Referenten und Domvikar. Vielleicht sah sich Georg dort noch nicht ganz am rechten Platz, denn er wechselt nach zwei Jahren in den Vatikan zur Sakramentenkongregation und ein Jahr später in die Glaubenskongregation. Hier ist er nun sechs Jahre lang für den deutschsprachigen Bereich zuständig. Nebenbei doziert er Kirchenrecht an der Opus-Dei-Universität. Von Kardinal Ratzinger soll er 2003 beim Frühstück im Campo-Santo-Kolleg gefragt worden sein, ob er die Stelle von Joseph Clemens als sein persönlicher Sekretär übernehmen könnte. Er konnte nicht wissen, dass er damit auch zum Papstsekretär aufsteigen würde. Nun wohnt er Seite an Seite mit dem Oberhaupt von einer Milliarde Katholiken. In der gleichen Wohnung tun ein polnischer Papstsekretär und vier Ordensfrauen ihren Dienst. Damit der Papst nicht von einer Papierflut weg ge-schwemmt wird, bildet sein Sekretär den letzten Staudamm. Er muss entscheiden, welche Post den Chef selbst erreicht und welche nicht. Er hat die Redemanuskripte in der Tasche und hält die Papstbrille bereit. Am Sonntag um 12.00 Uhr richtet er vor dem Angelus noch das Mikrophon in die rechte Höhe. Zum Tennisspielen kommt der Sportler dann wohl etwas weniger als früher. Er ist ein Mann der Form und der Ordnung: im Glauben, in der Theologie, im Sport. Er wird am 30. Juli 2006 50 Jahre alt. Wir gratulieren!

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

PS: am 30. Juli strahlt Radio Vatikan um 20.20 Uhr ein Interview mit dem Geburtstagskind aus. Mittelwelle 1530 kHz, Kurzwelle 5885, 7250 kHz.

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 30 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.08.2006

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