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Aus der Region

Der päpstliche Reisemarschall – Alberto Gasbarri

Der stille Wegbereiter im Hintergrund

Pater Eberhard von Gemmingen

Es gibt kein Amt "päpstlicher Reisemarschall". Der Ausdruck hat sich nur so eingebürgert. Warum weiß wohl niemand. Der erste in diesem Amt war der stämmige US-Amerikaner litauischer Herkunft Erzbischof Marzinkus. Er hat nicht nur Papst Paul VI. auf den Philippinen vor einem Messerstecher gerettet, sondern auch den Ruf der Vatikanbank beschädigt. Vermutlich wurde er aber nur von der italienischen Bankenmafia reingelegt. Er half dadurch indirekt, das Management der Vatikanbank auf die Beine von Fachleuten zu stellen. Einmal durfte ich mit ihm anlässlich der Gebetswoche für die Einheit der Christen die Messe feiern. Er war ein frommer Mann.

Sein Nachfolger war dann der vielsprachige Jesuit und Medienmann Pater Roberto Tucci, heute Kardinal und im Ruhestand. Tucci hat vermutlich die Erde dreimal öfter umkreist als sein Chef Papst Woityla. Denn er musste vor jedem Papsttrip alle Stationen zweimal anfliegen, um für vieles zu sorgen: Stationen und Ablauf der Reise, Sicherheit, Diplomatie. Es hatte schon seinen Sinn, dass hier ein Priester eingesetzt war, denn Tucci musste sicher oft mit Bischöfen streiten und ihnen ins Angesicht widerstehen. Denn sie wünschen ja meist, den Papst noch an viel mehr Orte zu bringen und mit mehr Menschen Kontakt aufnehmen zu lassen, als einem armen älteren Herrn aus Rom zumutbar ist. Oft ist es auch ein Gang durch vermintes Gelände: Wie kann man einem Land die Ehre erweisen, ohne seinen Diktator aufzuwerten? Johannes Paul II. wollte den Kubanern helfen, ohne Castro zu ehren, wollte die Chilenen trösten, ohne Pinoschet zu huldigen. Solange es in Südafrika Apartheit gab, wollten die dortigen Bischöfe keinen Papstbesuch. Doch einmal musste die Papstmaschine wegen Wetterproblemen dort notlanden.

An der Seite von Pater Roberto Tucci reiste seit bald 20 Jahren auch der neue Reisemarschall Alberto Gasbarri. Er ist kein Priester, sondern ist verheiratet und hat zwei Kinder. Der heute fast 60-Jährige machte als Ökonom eine erstaunliche Karriere in Radio Vatikan. Im Jahr 1970 kam er zunächst in die technische Abteilung des päpstlichen Radios. Hier wurde er von Tucci "entdeckt". Dieser erkannte in ihm eine erstaunliche Begabung, bald wurde er Assistent in der Radioverwaltung, später Personalchef, Verwaltungs- und sogar technischer Direktor. Und nun fliegt er regelmäßig dem Papst voraus, um ihm "die Wege zu bereiten". Er ist aber auch im so genannten Seguito, dem Gefolge des Papstes. Und wer ihn, den groß gewachsenen Herrn im dunklen Anzug kennt, wird ihn bei Reisen oft in der Umgebung des Papstes sehen. Gasbarri gibt keine Interviews, versucht auch zu verhindern, dass Fotos von ihm in den Medien erscheinen. Ganz erreicht er das nicht. Auf seinem Schreibtisch im zweiten Stock des "Palazzo Pio" vor der Engelsburg liegen meist nur der Kalender und ein Stift. Er wirkt eher wie ein sehr disziplinierter Nordländer. Doch er stammt aus Rom und kann auch herzhaft lachen.

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.08.2006

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