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Aus der Region

"Wer glaubt, ist nie allein."

Selbst wenn man sich einsam fühlt, ist man nicht alleine

Pater Eberhard von Gemmingen

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt zur Amtsübernahme den Satz geprägt "Wer glaubt, ist nie allein". Er bezog sich dabei vor allem auf die Gemeinschaft der Heiligen. Sie wurden bei der Papst-Beerdigung, beim Konklave und bei der Amtsübernahme des neuen Papstes in der Allerheiligenlitanei angerufen. Wer glaubt, ist immer von einer Schar Mitglaubender umgeben. So die Botschaft von Benedikt.

Aber: ist denn ein Glaubender in Leipzig, Bremen oder Nürnberg nicht sogar sehr allein? Was nützen ihm die Heiligen im Himmel, wenn er seinen Glauben in Deutschland verstecken muss, um nicht belächelt zu werden. Tut sich Papst Benedikt nicht ein bisschen leicht? Lebt er im apostolischen Palast nicht in "Wolkenkuckusheim"? Macht man sich auf dem Peterplatz nicht etwas vor, wenn da Zehntausende jubeln? Glaubt der Papst, in Bayern machten vor Tisch alle das Kreuzzeichen?

"Wer glaubt, ist nie allein." Kann das stimmen? Seien wir ehrlich: wer heute seinen Glauben in einem Restaurant, in seinem Büro, auf dem Bauplatz, im Parlament zeigt, ist bitter einsam. Wird vielleicht schief angeschaut, von Kollegen belächelt, nicht ernst genommen oder gar vom Chef nicht befördert. Gut, wer sich sonntags in der Kirche unter Grauhaarigen wohl fühlt, der ist nicht allein. Gut, Fußballfans sind nicht allein, auch nicht Kinogänger und Zuschauer bei einer Talkrunde. Aber - wer glaubt, der ist schon eher allein. Oder?

Auch wer sich als Muslim in Reih und Glied zum Gebet niederkniet, ist nicht allein, wer in Mekka seinen Pilgerwege zieht, ist nicht allein. Auch nicht der Wallfahrer nach Altötting. Selbst wer zu den Papstmessen nach Regensburg und München kommt, ist nicht allein. Er wird sich um seinen Platz mühen müssen.

Ist der Frageansatz vielleicht falsch? Denn auch Jesus am Kreuz war bitter allein. Alle Martyrer waren im Sterben allein. Vielleicht waren sogar die Millionen Juden in Auschwitz letztlich allein.

Und dennoch: Der Christ glaubt: In seinem tiefsten Inneren ist immer jemand da: der Herr. Jesus Christus, den die Emmausjünger beim Brotbrechen erkannten, den Maria Magdalena zunächst für den Gärtner hielt, der Petrus aus dem See fischte. Es ist der Herr im Herzen jedes Menschen. Nur wer sein tiefstes Inneres vergisst, der wird einsam. Wer dies glauben kann, weiß auch, dass der Herr in all den anderen gegenwärtig ist: in den Einsamen, den Lustigen, den Säufern, den Kindern und den Fußballfans. Plötzlich wimmelt es rund um uns von Jesus, von dem Gottmenschen, der uns in die Arme schließen will. Plötzlich sind wir unter den Ungläubigen und Andersgläubigen nicht mehr einsam und allein, sondern an Ecken und Enden vom lebendigen Gott umgeben, von Gott, der Fleisch annimmt in Jedem und Jeder. Wer wirklich glaubt, der ist nicht allein. Das hat Papst Benedikt gemeint, als er sagte "Wer glaubt, ist nie allein".

Viel Freude beim Papstbesuch in Bayern!

Ihr Pater Eberhard von Gemmingen SJ

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Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 26 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 23.08.2006

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