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Anstoß

Mögen, was man bekommt

Wir haben viele Möglichkeiten

Pater Damian Meyer

Im kalten Frühjahr sehnten wir uns nach Sonne und Wärme, und im sehr heißen Juli hätten wir lieber ein paar kühlere Tage gehabt. Das Wetter, das der Urlauber als ideal ansieht, ist nicht immer das, was der Landwirt und Gärtner braucht. So gibt es verschiedene Vorstellungen von gutem Wetter. Kaum einer scheint voll zufrieden zu sein mit dem gerade vorherrschenden Wetter. Der Entertainer Robert Lembke hat es einmal so ausgedrückt: "Es gibt drei Arten von Wetter: das Wetter, das wir wollten, das Wetter, das wir haben, und das Wetter, das der Wetterbericht angekündigt hatte." In einer Weisheitsgeschichte von Anthony de Mello sieht ein Schäfer das ganz anders: Ein Wanderer: "Wie wird das Wetter heute?" Der Schäfer: "So, wie ich es gern habe."

"Woher wisst Ihr, dass das Wetter so sein wird, wie Ihr es liebt?" "Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: Das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag."

Das zu mögen, was man hat: Das scheint mir eine Grundregel der Lebenskunst zu sein, die uns auch etwas Glück im Leben beschert. Wer immer schon nach etwas anderem und angeblich Besserem schielt, kann den Augenblick und sein Geschenk nicht genießen. Dem von Natur aus optimistisch gestimmten Menschen fällt es leichter als dem pessimistisch Veranlagten, mit dem Gegebenen zunächst einmal zufrieden zu sein. Für jeden von uns bedeutet das: Im Jetzt leben, die Chancen der Gegenwart erkennen. Auch ungünstige und unglückliche Lebenslagen haben ihre guten Seiten. Krankheiten, Unglücksfälle, Krisen bergen oft Möglichkeiten in sich, mit denen wir nicht gerechnet haben. Du hast mehr Möglichkeiten als du denkst. Ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, die Gott mit hat.

Das mögen, was man bekommt: Das heißt aber nicht, sich resigniert und fatalistisch mit allem abfinden, was einem begegnet. Die Lebenskunst besteht darin, zu unterscheiden, was zu ändern und was nicht abzuändern ist.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 33 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.08.2006

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