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Wittichenau: Jugendliche verteilen den Tag des Herrn

Redaktion, Druck und Vertrieb heute (4)

Beim Leser angekommen: Julia Michauk (r) übergibt die aktuelle Ausgabe an Dorle Kraus

Ortswechsel: In dem mit Rechnern und anderer Technik vollgestopften Raum - der Plattenherstellung - sind drei Plattenbelichter im Einsatz. In diesen Maschinen werden die Zeitungsseiten, die bisher nur auf dem Bildschirm zu sehen waren, per Laser auf lichtempfindliche, dünne, biegsame Aluminiumplatten "geschrieben". "Bis zu 170 Druckplatten pro Maschine und Stunde sind möglich", erklärt Olaf Klemstein, Mitarbeiter der Fertigungssteuerung. Rote Folien vor den Fenstern und Türen schirmen das Tageslicht ab, damit die unbelichteten Druckplatten beim Beladen der Belichter nicht unbrauchbar werden. Ein Transportband bringt die fertigen Druckplatten zu den Druckmaschinen in die benachbarte Halle. Dort pulsiert - oder besser rotiert - das Herz des Verlags: Ein rot lackiertes metallenes Monstrum aus drei hintereinander stehenden Maschinen, mit Druckzylindern und ein Gewirr von Walzen, über die Papierbahnen mit 1,40 Meter Breite und einer Geschwindigkeit von 9,92 Metern pro Sekunde zischen. Die gesamte Offset-Rotations-Druckmaschine ist 55 Meter lang, elf Meter hoch und 940 Tonnen schwer. Gefüttert wird die Anlage mit Papierrollen, die 1200 Kilogramm wiegen und ausgerollt eine Strecke von 20 Kilometern ergeben. Die Rollenwechsel erfolgen bei voller Produktion alle 45 Minuten.

Mittwoch, sieben Uhr früh, ist der Tag des Herrn an der Reihe. Die Druckplatten werden auf die Plattenzylinder gespannt, das Papier eingezogen. An einem der neun Rotationsleitstände, die lärmgeschützt hinter Glasscheiben sind, fährt der Drucker per Tastendruck die Maschine an. Die ersten Zeitungen flattern gleich in die Papiertonne, unvermeidbarer Ausschuss. "Der Drucker stellt erst die Farbe und den Stand richtig. Dabei soll die Andruckmakulatur so gering wie möglich sein", erläutert Olaf Klemstein. An den Leitständen steuert und regelt der Drucker Papierbahn, Farbe und den Passer der Bilder, immer wieder greifen sie druckfrische Zeitungen vom Förderband, blättern schnell die einzelnen Seiten durch und prüfen die Qualität. Nach einer knappen Stunde ist die gesamte Ausgabe mit rund 27 000 Exemplaren gedruckt. "Technisch möglich sind in doppelter Produktion 70 000 Exemplare pro Stunde", sagt Olaf Klemstein. Wie ein riesiger Lindwurm schlängeln sich die gerade produzierten Zeitungen durch die Versandabteilung. Am Ende verlässt wieder eine Ausgabe der ostdeutschen Kirchenzeitung mit der Post die Druckerei.

Freitagnachmittag im beschaulichen Wittichenau in der Lausitz. Kleinstadt. "Bing, bäng" klingt's von der Rathausuhr. "Ein sorbisches Marienlied", sagt Monika Mänzel und summt leise mit. Im Pfarrhaus hat sie rund 250 druckfrische Tag des Herrn-Ausgaben aus einem großen Karton genommen und in kleine Mäppchen an die 19 Austräger verteilt. Donnerstags werden die Zeitungen aus dem Mainzer Druckhaus angeliefert, am gleichen und am darauffolgenden Tag verteilt. Seit mehr als drei Jahren organisiert Monika Mänzel den Vertrieb vor Ort. ,,Agenturleiterin" nennt sie deshalb Pfarrer Christoph Bockisch. Dessen Idee war es, die Verteilung nicht der teuren Post zu überlassen.

Elisabeth Wels (14), Julia Michauk (14) und Bernadette Wowtscherk (11) holen ihre Mappen ab. Jedes der Mädchen beliefert eine andere Straße. Das Personal wird nie knapp, denn der Job ist heiß begehrt, so dass sich die Kinder auf Wartelisten eintragen. Jede Zeitung macht die Mädchen und Jungen um 25 Pfennige reicher.

Und während die Leser in ihrer Kirchenzeitung blättern, brüten die Redakteure in Leipzig längst neue Themen aus und schreiben die Geschichten für die neue Ausgabe.

Markus Tichy

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 35 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 30.08.2001

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