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Anstoß

Trotz allem gelassen sein

Die Zuversicht nie aufgeben

Pater Damian Meyer

Wie kann es einem Christen heute noch gelingen, angesichts der Weltlage hoffnungsvoll und gelassen zu sein? Muss er, um das sein zu können, Augen und Ohren schließen gegenüber seiner Umwelt und den Medien, die täglich mit schlechten Nachrichten auf ihn einprasseln? Mit anderen Worten: Darf der Christ kein Realist sein? Muss er weltfremd sein und von einer besseren Welt im "Jenseits" träumen? Ist es nur den optimistisch veranlagten Menschen gegönnt, Hoffnung und ruhige Gelassenheit auszustrahlen? Oder heißt das: Nur nicht zu tief nachdenken, sonst wird man trübsinnig!

Vorbild einer christlichen Gelassenheit und Heiterkeit ist für mich ein Mann, der als höchster Amtsträger der Kirche eine schwere Last der Verantwortung trug: Papst Johannes XXIII. Er strahlte Gelassenheit und Hoffnung in überzeugender Weise aus. In seiner Gegenwart konnten Menschen, die große Probleme hatten, aufatmen und sich besser fühlen. Papst Johannes verrät uns, worin diese innere Gelassenheit gründet und wie sie sich im Leben auswirkt: "Die innere Gelassenheit, die sich auf die Worte Christi und seine Verheißungen stützt, erzeugt eine unzerstörbare Heiterkeit, die sich wie eine Blüte entfaltet im Antlitz, in den Worten, im Benehmen und in der Übung gewinnender Nächstenliebe. Es gibt einen Austausch physischer und geistiger Kräfte in uns: ,Der Seele Süßigkeit ist Labsal für den Leib‘ (vgl. nach der Einheitsübersetzung Spr 14,30: ,Ein gelassenes Herz bedeutet Leben für den Leib‘). In Frieden mit dem Herrn zu leben, im Wissen um die Vergebung, und unsererseits die Sünden anderer zu vergeben, führt zu jener Kraft und Fülle, von der Psalmist spricht und die auf unseren Lippen das ewige Magnifikat erblühen lässt."

Dem Einzelnen mag es je nach Veranlagung und Charakter leichter oder schwerer fallen, diese Gelassenheit wie der gute Papst Johannes XXIII. auszustrahlen. Es wird nicht allen gelingen. Die im Glauben an den uns liebenden Gott verwurzelte Zuversicht und Gelassenheit aber sollte bei allen in einer Weise zum Durchbruch kommen. Der Papst nennt in seinem "Dekalog der Gelassenheit" zehn "Gebote", die sich immer auf das "Heute" beziehen. Die beiden letzten lauten: "Nur für heute werde ich fest glauben, selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt. Nur für heute werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist, und an die Güte zu glauben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 20.07.2006

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