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Bistum Görlitz

Unterwegs mit Tobit

"Das wünsch ich nicht nur mir": Görlitzer Bistums-RKW in Neuhausen

Lisa, Niklas, Lucille und Franz (von links) und ihre Klagemauer, die sie bei der Bistums-RKW in Neuhausen gestaltet haben. Foto: Matthias Holluba Neuhausen - Unterwegs auf den Spuren des alttestamentlichen Tobit und seiner Familie waren die 25 Kinder, die an der Bistums-RKW (Religiösen Kinderwoche) in Neuhausen teilgenommen haben.

Armut und Alkohol, Krieg und Kindersoldaten, Tollwut und Zeugnisse haben Lisa, Niklas, Lucille und Franz auf die Zettel an ihrer Klagemauer geschrieben. "Das ist ungerecht" heißt eines der Tagesthemen der diesjährigen RKW, bei der die Kinder eine Reise mit der alttestamentlichen Gestalt Tobit und seiner Familie unternehmen. "Tobit war ein guter Mensch. Er hat eine große Ungerechtigkeit erfahren, als er blind wurde, weil ihm Vogelkot ins Auge gefallen ist", erzählt Lucille. Ungerechtigkeiten, die die Kinder heute erleben, haben sie gesammelt und auf ihrer Klagemauer festgehalten. "Wir haben alles aufgeschrieben, was schlimm ist und uns nicht gefällt", sagt Niklas.

Natürlich bleibt die RKW mit dem Thema "Das wünsch ich nicht nur mir" nicht bei den Ungerechtigkeiten stehen. Die Kinder erfahren an den anderen Tagen, was Tobit und seiner Familie Mut gemacht und geholfen hat, die Situation zu schaffen. Anna erzählt vom glücklichen Ende: "Tobit wurde von seinem Sohn Tobias von der Blindheit geheilt. Der Engel Rafael hatte Tobias gesagt, er soll die Galle eines Fisches auf die Augen des Vaters streichen." Und so macht die alttestamentliche Erzählung deutlich, dass Gott den gerechten und guten Menschen Tobit nicht allein gelassen hat.

Erfahrungen, die die Kinder in ihrem Alltag machen

Die Geschichte von Tobit ist eine Diasporageschichte. Tobit steht als Mensch, der an seinem Glauben festhält, in seiner Umwelt ziemlich allein. "Das ist eine Erfahrung, die die Kinder in unserer Region in ihrem Alltag machen", sagt Jugendseelsorgerin Ingrid Schmidt, die die RKW geleitet hat. Es gehe nicht darum, ihnen zu sagen, dass Diaspora etwas Schlechtes ist, sondern den Kindern zu zeigen, wie andere Menschen ähnliche Situationen erleben. "An unserer Diasporasituation können wir nichts ändern, aber wir können uns als Christen in dieser Situation gegenseitig Mut machen."

Rezepte gegen die Angst und aufeinander aufpassen

Und da ist die Bistums-RKW an sich schon wertvoll, denn hier erleben die Kinder, die in ihrer Schulklasse oft die einzigen Katholiken sind, andere Kinder, denen es so wie ihnen geht. An den beiden RKW-Tage, an denen das Mutmachen im Mittelpunkt steht ("Das macht mir Mut" und "Du schaffst das schon") haben die Kinder nach Rezepten gegen die Angst gesucht und erlebt, wie es ist, wenn man einen ganzen Tag lang auf einen anderen Menschen aufpasst, ohne dass dieser das weiß.

Die RKW, ein Erbe aus DDRZeiten, das inzwischen auch in einigen westdeutschen Gemeinden Einzug gehalten hat, sind für Ingrid Schmidt eine gute Möglichkeit, Kindern etwas anzubieten, was über den Religionsunterricht hinaus geht. Dabei geht es nicht nur um die Vermittlung von Glaubenswissen, auch die gemeinsamen Erlebnisse sind an diesen Tagen wichtig. An den Vormittagen wurde deshalb thematisch gearbeitet, an den Nachmittagen war Zeit für Singen, Spielen, Basteln oder zum Wandern und Baden.

Zum RKW-Abschluss am Sonntag waren dann auch die Eltern nach Neuhausen eingeladen. Zusammen feierten alle Gottesdienst und die Kinder berichteten anhand eines RKW-Tagebuchs, was sie erlebt haben. Nach einem Grillfest ging es wieder nach Hause, zurück in die Diaspora.

25 Kinder zwischen acht und 13 Jahren aus Gemeinden im brandenburgischen Teil des Bistums waren in Neuhausen dabei. Im nächsten Jahr soll es einen Termin geben, zu dem auch Kinder aus dem sächsischen Teil Ferien haben und teilnehmen können. Ingrid Schmidt sucht übrigens noch jemanden, der diese RKW dann leitet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 29 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 20.07.2006

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