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Anstoß

Über Sieg und Niederlage

Im Sport und auf der Bühne des Lebens

Martin Weber

Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland ist zu Ende. Das Scheitern der deutschen Nationalmannschaft knapp vor dem Einzug ins Endspiel hat die gute Laune während der Weltmeisterschaft sicher gedämpft. Doch haben sich die Fußballanhänger und die Mannschaft selbst als gute Verlierer erwiesen. Verlieren ist keine Schande. Die Fußballweltmeisterschaft 2006 stellte ein Spektakel dar, zu dem notwendig Sieger und Verlierer gehören. Ein Christ weiß das, und er weiß auch, dass ein Spiel immer ein Spiel bleibt, ob von Erfolg gekrönt oder mit einer Niederlage abgeschlossen. In unserem Leben haben wir auch mit so mancher Niederlage umzugehen. Wir können die Verlierer des Sports und ganz besonders die des Alltags aber immer durch die "Brille" Christi betrachten. In dem Kirchenlied "Es kommt ein Schiff geladen" heißt es von Jesus Christus, der im Stall von Bethlehem zur Welt kam: "Er gibt sich für uns verloren". Anscheinend besingt dieses Lied die tiefgründige Einsicht, dass die Beteiligung Gottes am Spiel des Lebens in seiner Menschwerdung mit seiner Niederlage endet.

wusste es: Das Holz der Krippe ist das Holz des Kreuzes. Schon am Beginn des Lebens Jesu zeichnet sich seine Niederlage ab. Der Geburtsort Jesu ist keine Metropole wie das damalige Rom. Und der Ort seines Sterbens liegt vor den Stadtmauern: Eine Schädelhöhe, Ort der Niederlage und des Todes.

Zugespitzt können wir sogar sagen: Jesus war ein Verlierer. Im Vergleich mit den Gründern anderer Religionen, etwa mit Buddha oder Mohammed, stammte Jesus nicht aus adligen Verhältnissen oder war ein Anführer einer siegreichen Armee, sondern einer von der Verliererseite. Und dem Christentum ist diese Verlierermentalität von Anfang an ins Stammbuch geschrieben. Eine der zentralen Einsichten des Christentums ist die Sorge um die Verlierer, um die Opfer, um die Unterlegenen, eben die Menschen in all ihren Niederlagen. Genau sie werden von Jesus in seiner Bergpredigt selig gepriesen. Den Mut zum Risiko und den Mut zum langen Atem können natürlich auch Christen am Sport bewundern. Aber es gelten auch die Worte Jesu, die wir bei dem Evangelisten Markus und Lukas lesen können: "Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein" (Mk 9, 35; Lk 9, 48).

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.07.2006

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