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Bistum Magdeburg

Jedes Kind annehmen wie es ist

Grundschule Oschersleben und der Marchtaler Plan

Während der Abschlussrunde am Ende der Schulwoche singen die Mädchen und Jungen der Klasse 3 der Oscherslebener Grundschule St. Martin gemeinsam mit ihrer Lehrerin Christa Kramer. Foto: Eckhard Pohl Magdeburg / Oschersleben - 21 Lehrer- und vier Erzieherinnen haben ein Fernstudium zum Erziehungs- und Bildungskonzept Marchtaler Plan absolviert und jetzt in Magdeburg ihre Zertifikate erhalten. Grund, das Konzept vorzustellen, nach dem die Grundschulen des Bistums arbeiten.

Die Kinder der Klasse 3 der Oscherslebener Grundschule St. Martin haben die Augen geschlossen. "Wir begeben uns jetzt auf eine Fantasiereise", sagt ihre Lehrerin Christa Kramer. "Wir stellen uns vor: Wir sind ein Weizenkorn. Auf einem Feld hat der Bauer Furchen gezogen. Und wir werden in eine der Furchen geworfen und mit Erde zugedeckt. Es ist warm und gemütlich in der Erde … Schließlich wächst aus uns heraus ein Halm mit vielen Körnern. …"

Gemäß den eigenen Möglichkeiten lernen

Als die Zeitreise und damit ein meditativer Rückblick auf die Schulwoche zu Ende ist, hat jedes Kind Gelegenheit, Frohmachendes und Ärgerliches zu benennen: "Mir hat in dieser Woche besonders Sport gefallen", sagt Sascha. "Reli war nicht so schön, weil uns der Vikar nicht weiter ,Mio, mein Mio‘ vorgelesen hat." "Mir hat ebenfalls Sport am besten gefallen, weil wir Volleyball spielen konnten", sagt Antonia. Und: "Den Mathe-Test fand ich aber auch gut." Als alle an der Reihe waren, spricht Jacob ein kurzes freies Abschlussgebet. Dann folgt das gemeinsame Vaterunser.

Schließlich bitten die Kinder Frau Kramer um ein Abschlussspiel. Sie wählt ein Spiel zur Förderung der Wahrnehmungsfähigkeiten aus. "Das gehört fast immer dazu", so die Grundschullehrerin. Als das letzte Kind den im Raum versteckten Stoff-Marienkäfer entdeckt hat, machen sich die Mädchen und Jungen auf den Weg nach Hause. Eine Unterrichtswoche in der Grundschule St. Martin geht zu Ende.

"Wir arbeiten nach dem Marchtaler Plan", sagt Schulleiterin Claudia Beckurs. "Wesentliche Seiten dieses pädagogischen Ansatzes sind die freie Arbeit, der Fachunterricht, die Vernetzung des Unterrichtes und der Morgen- und Abschlusskreis.

Wie jede Woche mit einem Abschlusskreis endet, so beginnt die neue Schulwoche am Montagmorgen wieder mit einer gemeinsamen Runde, die den Kindern die Möglichkeit gibt, ihre Erlebnisse vom Wochenende ein Stück einzuordnen und sich auf die Schule einzulassen. Dass ein solcher Kreis im Unterricht nach dem Marchtaler Plan eine zentrale Rolle spielt, ist den Kindern tagtäglich allein schon durch den runden Teppich in der Mitte des Klassenraumes vor Augen, um den herum Tische und Stühle angeordnet sind. "Im Zentrum dieser Pädagogik steht das christliche Menschenbild und damit die Überzeugung, dass jedes Kind, so wie es ist, von Gott geschaffen ist", sagt die Schulleiterin. "Und deshalb gilt es, jedes Kind mit seinen je eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten anzunehmen und jeden Tag damit von neuem zu beginnen."

Wesentlicher pädagogischer Aspekt ist aber auch der Vernetzte Unterricht. Dazu gehören die Fächer Deutsch, Gestalten, Sachkunde, Musik und gegebenenfalls Religion. Sport, Mathematik und Englisch ab Klasse 1 wird hingegen als Fachunterricht separat erteilt. "Wenn zum Beispiel die Kinder in Klasse 3 das Thema "Vom Korn zum Brot" behandelt haben, so ist der Weg nicht weit von den Getreidearten und welche Lebensmittel daraus entstehen hin zum Gebet "Unser tägliches Brot gib uns heute". Aber auch in Klasse 1 lassen sich etwa unter den Stichworten Frühling, neues Leben, Schöpfung gut Verbindungen zwischen Sachkunde und Religion herstellen".

Lernziel: Selbständig und strukturiert arbeiten können

Am Beginn jeden Tages nach dem Morgenkreis steht die Freie Stillarbeit, weiterer Baustein des Marchtaler Planes. Dabei haben die Kinder die Möglichkeit, ihrem Tempo und Interesse gemäß Aufgaben zu lösen. "Differenziert fordern und fördern ist Aufgabe jeder Pädagogik, die Freiarbeit bietet dafür hervorragende Möglichkeiten", sagt Frau Beckurs. "Dabei darf natürlich kein Kind übersehen werden. Und Standards müssen im Blick bleiben."

Klar, dass die Kinder ab Klasse 5 je nach Fähigkeiten in allen Schulformen weiterlernen können. "Unsere Kinder sollen am Ende von Klasse 4 in der Lage sein, selbständig und strukturiert zu arbeiten und ihre Anliegen vor der Gruppe vertreten zu können", betont Frau Beckurs.

Um ihre pädagogische Aufgabe nach dem im Bistum Rottenburg- Stuttgart entwickelten Marchtaler Plan möglichst gut wahrnehmen zu können, haben sie, aber auch Lehrerin Kramer und Pädagoginnen aus den anderen drei Grundschulen und den drei Gymnasien der Edith-Stein-Schulstiftung sowie vier Erzieherinnen eine zweijährige Weiterbildung absolviert. Vergangenen Samstag erhielten sie ihre Abschluss-Zertifikate.



Informationen
www.st-martin-grundschule.de
www.marchtaler-plan.de www.bistum-magdeburg.de
Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.07.2006

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