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Bistum Erfurt

Auf Schusters Rappen

Die Wanderfreunde aus der Gemeinde St. Gerhard

Rast nach einer Wanderung durch die Natur: Die Wanderer haben alles fest im Griff. So werden beispielsweise die Tische, Speisen und Getränke mit dem Auto an die vereinbarte Stelle gefahren. Heiligenstadt - An der St.-Gerhards-Gemeinde in Heilbad Heiligenstadt hat sich ein Wanderkreis gebildet. Zumeist erkunden die Mitglieder die nähere Umgebung ihrer Heimat und sind in der Kirchengemeinde aktiv. Doch manchmal geht es auch weiter weg.

Christel Kohl, damals noch Pfarrsekretärin im katholischen Pfarramt St. Gerhard, heute Ruheständlerin, rannte vor fünf Jahren bei Pfarrer Heribert Kiep offene Türen ein, als sie ihm die Gründung einer Wandergruppe vorschlug. Für den Fall, dass sich nicht genügend Interessenten melden würden, nannte sie vorsichtshalber noch ihren Ehemann Berni als ebenfalls begeisterten Natur- und Wanderfreund.

Als hätten sie nur darauf gewartet, sagten schon bald nach der sonntäglichen Vermeldung durch den Geistlichen so etwa 20, 25 Gemeindemitglieder zu. Heute treffen sich 30 bis 35 Wandervögel, um die nähere Umgebung Heiligenstadts auf Schusters Rappen zu erkunden. Gern bringen Großeltern ihre Enkelkinder mit. An jedem zweiten Dienstag im Monat geht es ab 13.30 Uhr für zwei bis drei Stunden ins Grüne. Denn eines hatten Christel und Berni Kohl gleich zu Beginn betont: „Nur mal eine halbe oder maximal eine Stunde spazieren gehen wollen wir nicht.“ Und sie fügen hinzu: „Unsere Ältesten sind zugleich unsere Eifrigsten und Schnellsten! Wenn Rita Sommerfeld, Agnes Jakobi und Eduard Sittel das Tempo bestimmen, laufen sie den Jungen davon – und die drei sind bereits über achtzig.“

Gemäß dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung“, ist seit der Gründung im Jahre 2001 noch kein Ausflug ausgefallen. Gelaufen wird „bei Wind und Wetter“, bei Sonnenschein ebenso wie bei Regen oder Schnee.

Nachdem sich anfangs immer am Montag vor dem Wander- Dienstag bei Kohls das Telefon heiß klingelte, weil viele wissen wollten, wo es denn hinginge und ob das Ziel denn auch bei Regen angesteuert werde, weiß die Gruppe inzwischen: Sie werden überrascht, ausgeflogen wird bei jeder Witterung und wo es hingeht, erfahren sie beim Loslaufen. Nicht immer wird eine Gaststätte angesteuert. Im Sommerhalbjahr bei trockenem Wetter hat schon so manches Picknick mit belegten Brötchen oder Kaffeetrinken mit leckerem Kuchen im Wald stattgefunden, mit Tischen, Bänken und Geschirr aus dem Gemeindehaus. Alles wird per Auto hingebracht. Immer im April, zum „Gründungstag“, gibt es ein Feldgieker-Essen im Wald an der Klöppelsklus. Doch auch außerhalb des Waldes wird Geselligkeit gepflegt, Fasching, Weihnachten und im Sommer Grillfest gefeiert. Die Gruppe spendet für die Kirche die Osterkerze, einige Männer bauen in der Adventszeit im Gotteshaus die Krippe auf.

Und an einem Tag im Jahr fliegen die St.-Gerhard-Wanderfreunde mit dem Zug aus. Zu allen Treffen, bei denen nicht gewandert wird, kommen auch die Ehepartner mit, falls sie nicht ohnehin aktiv dabei sind. 2005 haben sie sich die Leipziger Sehenswürdigkeiten angesehen und unter anderem die Nikolaikirche besucht. In diesem Jahr waren sie im Rosarium Sangerhausen.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 28 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 13.07.2006

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