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Bistum Magdeburg

Partner und "Rufer" mit Vision

Gemeinde St. Johannes in Burg feierte ihr 200-jähriges Bestehen und 100 Jahre Kirchweihe

Beim Festakt in der Kirche: Die evangelischen Pfarrerinnen Neumann und Jüngling beglückwünschen die Gemeinde, vertreten durch Pfarrer Hartmann und Pfarrgemeinderats-Vorsitzende Wetzel. Foto: Uwe Naumann Burg - Die Pfarrei St. Johannes in Burg zählt zu den ältesten nachreformatorischen Gemeinden im Bistum. Sie besteht seit fast 200 Jahren. Ihre Kirche weihten die Burger dann vor genau 100 Jahren ein. Anlass für die 1800 Gemeindemitglieder, Rückschau und Ausblick zu halten.

Abgesehen von den 17 Pfarreien im Bistum, die über die Reformation hinweg durch ihre Einbindung in Klöster bestehen blieben, ist die Pfarrei Burg die drittälteste in der Diözese nach Halle und Stendal. Das musste auch Domkapitular Willi Kraning, der am 24. Juni die Festansprache hielt und dabei einen Exkurs in die Geschichte unternahm, erst lernen, wie er selbst zugab. Doch die Gemeindegründung genau zu datieren, das sei nicht so einfach. "Damals waren die christlichen Laien hier weiter als die Theologen", sagte Kraning mit Respekt vor dem Einsatz der Christen der Region nach 1804, als das Ringen um die Bildung einer Gemeinde konkrete Formen annahm. "Ohne Priester, Dechanten oder Bischof sind die Menschen einer Vision gefolgt und einfach zusammengekommen", so der Domkapitular und langjährige Gemeindeseelsorger: "Ohne einen Geistlichen haben die Leute damals geistlich gehandelt."

Erst 1815, so steht es in der eigens angefertigten Festschrift, gab die preußische Regierung dem Drängen der Stadtbewohner nach. Sie genehmigte die Anstellung eines Pfarrers und erkannte die katholische Pfarrei Burg als eigenständig an. Weil die Gemeinde aber lange Zeit sehr arm war, konnte sie sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts keinen eigenen Kirchenbau leisten. Nachdem die Pfarrei schon rund 90 Jahre existiert hatte, wurde schließlich 1904 der erste Spatenstich für die mächtige Ziegelkirche "St. Johannes Baptist" ausgehoben. 1906 wurde das Gotteshaus geweiht.

Im 21. Jahrhundert liege das Problem der Gemeinden aber weniger im finanziellen Bereich, schwenkte Festredner Kraning in die heutige Zeit und zitierte aus einer Situationseinschätzung der Bischöfe: "Wir müssen uns eingestehen, dass die Kirche in unseren Breiten wenig Faszination bietet." Deshalb riet der Domkapitular: "Um den Alterserscheinungen einer Gemeinde zu entgehen, bedarf es wieder einer Vision Gottes." Die Gemeinde müsse sich die Frage stellen, was sie ist, wohin sie will, wozu es sie gibt und was sie mit der Stadt Burg zu tun hat.

Altersschwach ist St. Johannes bisher nicht geworden. Mit fast 200 Jahren ist die Gemeinde eine Art Ehe eingegangen und bildet seit diesem Jahr mit Gommern und Loburg einen Gemeindeverbund. Dessen Leiter, Pfarrer Dietrich Hartmann, sieht es positiv: "Es ist jetzt nur etwa die Hälfte des ursprünglichen Gemeindegebietes", sagt er augenzwinkernd und erinnert an die Gründungsjahre, als die Menschen zwischen Gommern, Genthin und Jerichow zur Pfarrei Burg gehörten.

Eine Vision für ihre Gemeinde haben die Burger auch: Sie wollen ihren Auftrag im Sinne ihres Pfarrpatrons verstehen. Johannes der Täufer sagte von sich: "Ich bin (nur) die Stimme, die in der Wüste ruft: Ebnet den Weg für den Herrn!" Auch die Gemeinde habe den Auftrag, so Pfarrer Hartmann, in und um Burg Partner der Menschen, aber auch Mahner und Rufer zu sein, dem Herrn den Weg zu ebnen, die Welt voranzubringen an das von Gott gedachte Ziel.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 27 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 06.07.2006

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