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Bistum Magdeburg

Zum Vorteil von Familien

"Kess erziehen" - Seminare gut angenommen / Beitrag zu mehr Kinder- und Elternfreundlichkeit

Während der Kursabende wurde in großer, aber auch in kleinen Runden gelernt, diskutiert, in Rollen Familiensituationen nachgespielt: Leiterin Bettina Albrecht, Anja Ueckert, Doreen Rauter, Gritt Weigelt. Foto: Eckhard Pohl Burg / Magdeburg - Seit einem Jahr bietet das Bistum in Sachsen-Anhalt das Elterntraining "Kess erziehen" an – mit gutem Erfolg, wie das Beispiel Burg zeigt. Knapp 200 Mütter und wenige Väter haben bisher an einem Kurs teilgenommen.

"Es hat bei jedem der fünf Abende konkrete Tipps gegeben", freut sich Gritt Weigelt. Die 35-Jährige ist eine von zwölf Müttern und einer Großmutter, die am Kurs "Kess erziehen" in Burg teilnehmen. Sie habe zum Beispiel gelernt: "Kinder können sich besser darauf einstellen, zu einer bestimmten Zeit mit dem Spielen aufzuhören, wenn sie eine Uhr vor sich haben und die Zeiger verfolgen können.

Kurs auch Vätern anempfohlen

Deutlich ist der Mutter von Lea (fünf) zudem geworden, wie wichtig es ist, die Kinder im Alltag als Partner zu behandeln und sie zu bestärken und zu ermutigen.

"Eigentlich hätten unsere Männer dabei sein müssen", fährt Frau Weigelt fort. "Ich empfehle Interessenten, als Paar teilzunehmen. Dies sei jedoch oft nicht möglich, weil die Väter bei den Kindern bleiben müssen, sagt Kursbegleiterin Bettina Albrecht aus Magdeburg. Die meisten der Kess erziehen- Seminare für Eltern von zwei- bis zehnjährigen Kindern, wie sie inzwischen auch in Magdeburg, Naumburg und Haldensleben stattgefunden haben, seien reine Frauenrunden. "Wir wollen mit den Kursen Eltern die Möglichkeit bieten, für ihre Familie zu lernen", betont Frau Albrecht, die selbst vier Kinder hat und beim Bistum für das Projekt "Familie lokal" arbeitet.

In Burg hatte sie "Kess erziehen" zunächst in der Kindertagesstätte St. Johannes vorgestellt, bevor dort Anmeldezettel ausgelegt wurden. Auch Anja Ueckert (evangelisch), Doreen Rauter und Gritt Weigelt (beide konfessionslos) schrieben sich ein.

"Mir ist klar geworden, dass ich gar nicht schuld bin, wenn mein Robert (6) anfängt, auf mich einzuhauen. Er will dann einfach auf sich aufmerksam machen", sagt Anja Ueckert. Gut am Kurs sei auch gewesen, jede Mutter daran zu erinnern, auch auf sich selbst zu achten. "Jede von uns ist auch Frau, Partnerin, Mensch", so die 30-Jährige. Teilnehmerin Doreen Rauter (38) hat festgestellt, dass auch andere Kinder und nicht nur ihr Hendrik (4) nachts gern bei Mama und Papa schlafen. Seit sie beim Kurs Tipps bekam, hat sie das Problem besser im Griff.

"Es geht bei Kess erziehen auf keinen Fall darum, Eltern deutlich zu machen, was sie falsch machen, und auch nicht darum, Eltern zu erreichen, die besondere Erziehungsprobleme haben", sagt der Geschäftsführer der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB), Ludger Nagel. KEB, Familienbund und Seelsorgeamt sind Träger des Angebots. "Vor allem wollen wir mit unseren Seminaren zu einem familienfreundlicheren Klima im Land beitragen."

Familienfreundlicheres Klima schaffen

Für die Frauen in Burg geht bereits der Kurs zu Ende. "Nun ist es an jedem selbst, die Anregungen umzusetzen", sagt Frau Weigelt. "Es wäre schön, wenn man sich nach einer Weile mal wieder treffen und Erfahrungen austauschen könnte." Dies ist allerdings von Veranstalterseite her zunächst nicht vorgesehen und der Selbstorganisation der Teilnehmerinnen überlassen.

Mehr: www.kess-erziehen.de

Hintergrund - Elterntraining Kess erziehen

"Kess" steht für kooperativ – ermutigend – sozial – situationsorientiert und so für eine erzieherische Grundhaltung, die den Alltag leichter machen kann und die familiäre Stimmung überwiegend freundlicher gestalten hilft. Das Programm für Eltern von Zwei- bis Zehnjährigen wurde von der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung, Bonn, entwickelt und basiert auf der Individualpsychologie.

Der achtsame, respektvolle und konsequente Umgang miteinander wird gefördert. Die Entwicklung des Kindes, gestützt durch Ermutigung und das Gefühl der Zugehörigkeit, steht im Mittelpunkt. Dabei wird der Blick zunächst auf die sozialen Grundbedürfnisse des Kindes gelenkt. Diese zu sehen, das Kind daraufhin in seinem störenden Verhalten verstehen zu lernen sowie Handlungsalternativen für alltägliche Konfliktsituationen zu entwicklen, gehört zu den Kurs- Zielen. Darüber hinaus werden Eltern ermutigt, auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten, dem Kind respektvoll Grenzen zu setzen und ihm die Folgen zuzumuten, die aus seinem Verhalten resultieren. Es werden Strategien vermittelt, wie Konfliktsituationen entschärft, Probleme gelöst und die Beziehung zwischen Eltern und Kindern gefördert werden können.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 25 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 22.06.2006

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