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Aus der Region

Viel Geheimniskrämerei

"Sakrileg", das Opus Dei und die Wirklichkeit

Magdeburg - So wie Dan Brown in seinem Roman "Sakrileg" das Opus Dei darstellt, ist es nicht. Zahlreiche Kritikpunkte an der katholischen Gemeinschaft sieht der Journalist Peter Hertel dennoch.

Der Albino Silas ist eine der Hauptfiguren des Romans "Sakrileg", geschrieben von dem Amerikaner Dan Brown und zurzeit als Film in den deutschen Kinos zu sehen. Silas gehört zum Opus Dei, dem "Werk Gottes". Um den vermeintlich wahren Glauben zu retten, wird Silas zum mehrfachen Mörder. Dan Brown schildert das Opus Dei als einen Geheimbund, der auch vor Mord nicht zurückschreckt. Wie an vielen anderen Stellen seines Buches bringt er damit Fakten und Fiktionen durcheinander. Problematisch ist das vor allem deshalb, weil der Roman den Anspruch erhebt, ausschließlich auf Tatsachen zu beruhen.

"Die Anwendung physischer Gewalt zur Durchsetzung von Interessen ist mir beim Opus Dei nie begegnet", sagt der Journalist und katholische Theologe Peter Hertel. "Vieles, was in dem Buch über das Opus Dei gesagt wird, stimmt nicht." Gründe zur Kritik findet Hertel dennoch genug. Über Jahrzehnte hat er sie gewissenhaft recherchiert. Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung hat er sie kürzlich bei einem Vortrag in Magdeburg erläutert.

Die positive Seite des Opus Dei besteht für Hertel im Grundanliegen: Die Mitglieder werden angeleitet, im Alltag christlich zu leben. "Die Anerkennung der Berufung der Laien und die Alltagsheiligung sind begrüßenswert." Umstritten allerdings sind die Methoden, die das Opus Dei dabei anwendet. So gibt es in der Theologie des Werkes durchaus Punkte, die für Hertel dem Evangelium, dem letzten Konzil und dem geltenden Kirchenrecht widersprechen, etwa wenn von der Anwendung heiligen Zwangs die Rede ist, "um die Menschen zu retten, die Selbstmord an ihrer Seele verüben wollen".

"Das Opus Dei versteht sich als Kampfgruppe zur Rettung der katholischen Kirche", erklärt Hertel. Den Auftrag dazu soll der Opus-Dei-Gründer, der spanische Priester Josemaria Escriva (1902– 1975, 2002 heiliggesprochen) direkt von Gott erhalten haben. Die Rettung der Kirche sei auch dringend nötig, denn für Escriva bietet sie das Bild eines "Leichnams in stinkender Verwesung".

Straffe Disziplin, blinder Gehorsam, Geheimniskrämerei und unmoralisches Geschäftsgebaren einzelner Mitglieder – in diesen Stichworten fasst Hertel seine Kritik am Opus Dei zusammen. Die Behauptungen belegt er dabei in der Regel mit Zitaten aus internen Schriften. Wie er diese erhalten hat, sagt er nicht. Auf offiziellen Wegen kaum, denn seine Anfragen an das Opus Dei werden nicht beantwortet, auch wenn es nur um reine Statistik wie Mitgliederzahlen und -strukturen geht. Einige Angaben sind dennoch bekannt: Weltweit gibt es etwa 85 000 Mitglieder, in Deutschland sind es zwischen 600 und 1500. Einen regionalen Schwerpunkt hat das Opus Dei in der Region Münster und Köln. In Ostdeutschland ist es – mit Ausnahme von Berlin – offizell nicht vertreten.

"Ich erhebe nicht den Anspruch, die Wahrheit zu vertreten", sagt Hertel. "Solange aber das Opus Dei selbst keine oder unverständliche Antworten auf einige wichtige Fragen gibt und sich nicht auf Diskussionen einlässt, müssen andere sich an die Öffentlichkeit wenden." Schließlich gehe es auch darum, ob die Kirchen den mit dem Zweiten Vaikanischen Konzil begonnenen Weg fortsetzt oder sich davon wieder abwendet.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 23 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 08.06.2006

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