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Aus der Region

Breites Interesse für den Osten

Katholikentag in Saarbrücken

Wie hier am Stand des Bistums Görlitz interessierten sich die Besucher des Katholikentages in Saarbrücken besonders für die Kirche und die Gemeinden in der ostdeutschen Diaspora. Fotos: Andreas Schuppert Saarbrücken - Wichtige Impulse für ein weltweites Miteinander in Gerechtigkeit hat der 96. Deutsche Katholikentag vom 24. bis 28. Mai in Saarbrücken gegeben. Auch aus den ostdeutschen Bistümern waren viele Christen im Saarland zu Gast.

Wirtschaftliche Globalisierung, Kinderarmut, Verteilungskämpfe: Die Ungerechtigkeit auf der Welt hat viele Gesichter. Die katholischen Christen in Deutschland verstehen sich als Anwalt der Armen und derer, die in Zeiten tief greifender Veränderungen zu kurz zu kommen scheinen. "Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht" lautete deshalb des Motto des Katholikentages. "Die Gerechtigkeit steht in dieser Gesellschaft wieder auf der Tagesordnung", sagte der gastgebende Bischof des Bistums Trier, Dr. Reinhard Marx, zu Beginn des Laientreffens.

Stände wurden ehrenamtlich betreut

Rund 26 100 Dauerteilnehmer waren gemeldet. Nominell waren zwar die ostdeutschen Bistümer am schwächsten vertreten. Betrachtet man aber den prozentualen Anteil der Katholikenzahlen, sieht es für die Christen hierzulande gar nicht so schlecht aus. Die meisten – 189 Teilnehmer - haben sich aus dem Bistum Dresden-Meißen auf dem Weg an die Saar gemacht, 165 waren es aus dem Bistum Erfurt, 140 aus dem Bistum Magdeburg. Selbst das kleinste Bistum Görlitz mit 39 Teilnehmern konnte noch mehr aufbieten als vergleichsweise das Bistum Passau, das mit 32 Teilnehmern nach Saarbrücken gefahren ist. Besonders erfreulich sei, so der Leiter des Görlitzer Seelsorgeamtes, Dr. Alfred Hoffmann, dass die ostdeutschen Bistümer mit einem Stand in der Halle der Bistümer beziehungsweise auf der Kirchenmeile in der Saarbrücker Innenstadt vertreten waren. "Wenn man bedenkt, dass diese Stände vor allem ehrenamtlich betreut wurden, ist das eine großartige Leistung." Und das Interesse der Besucher für die Kirche in der ostdeutschen Diaspora war ungebremst.

Buchstäblich zum Anbeißen präsentierte sich das Bistum Görlitz, wo unter anderem Christina Hannich, Joachim Rudolph, Thomas Krakowsky und Manuela Walter regionale Köstlichkeiten wie schlesischen Streuselkuchen oder Spreewaldgurken anboten. Es waren aber nicht nur die Leckereien, die die Gäste anzogen, sondern auch die Neugier auf die östlichste Region Deutschlands. "Görlitz soll eine wunderschöne Stadt sein", hat Pascale Jung aus Merzig im Nordsaarland schon gehört. "Ich will da unbedingt mal hin".

Das Bistum Dresden-Meißen hat sich mit seinem Stand ganz auf die Fußball-Weltmeisterschaft eingestellt. Eine Torwand lädt die Besucher zum Mitmachen ein. Beim Tisch-Kicker gab es auch für die beiden Saarbrücker Polizei-Wachtmeister Stefan Pönicke und Tobias Bohnenberger kein Halten mehr. "Eine prima Idee", begeistert sich Pönicke. Pressesprecher Michael Baudisch freut es, dass das Bistum so auf das bevorstehende Ereignis einstimmen kann. "Wenn man von Berlin mal absieht, ist Leipzig der einzige Austragungsort für die Fußball- Weltmeisterschaft im Osten. Da wollen wir auch als Kirche dabei sein", sagt Baudisch.

Einstimmung auf das Elisabeth-Jahr

Am Stand des Bistums Erfurt können die Besucher ihr Wissen über das Leben der heiligen Elisabeth testen. Die Kinder waren zudem eingeladen, ein kniffliges Elisabeth- Puzzle zu lösen. Für Caritas- Sprecher Thomas Müller, der den Stand unter anderem betreute, hat das Leben der Heiligen nicht nur regionale Bedeutung. "Von Elisabeth können wir lernen, was es bedeutet, Gerechtigkeit zu üben", spielt Müller auf das Thema des Katholikentages an. Für die Thüringer war das Ereignis so schon eine kleine Einstimmung auf das bevorstehende Elisabeth-Jahr.

Auf der Kirchenmeile in der Saarbrücker Innenstadt präsentierte sich der Katholikenrat des Bistums Magdeburg, der verschiedene kirchliche Projekte wie das Netzwerk Leben vorstellte, aber auch für die Wirtschaftsregion Sachsen-Anhalt warb. "Damit wollen die Christen zeigen: Wir stehen mitten im Leben, sind Teil der Gesellschaft und wollen sie mitgestalten", meint Wolfgang Müller aus Genthin, Vorsitzender des Katholikenrates im Bistum Magdeburg. Die neuen Gemeindeverbünde in seinem Bistum seien für die Katholiken vor allem eine Chance des Neuaufbruchs. "Wenn es in einem Gemeindeverbund zehn Erstkommunionkinder gibt statt zwei in einer einzelnen Gemeinde, dann ist es auch für die Mädchen und Jungen eine Stärkung ", meint Müller.

Die Bischöfe aus den ostdeutschen Bistümern waren auf dem Katholikentag ebenso zu Gast wie politische Prominenz aus den neuen Bundesländern. "Zum Schicksalsthema Bildung" sprach zum Beispiel der thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU), während der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) über das Verhältnis von Demokratie und Gerechtigkeit referierte. Ein sichtbares Zeichen der Ökumene setzte der frühere Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reinhard Höppner (SPD), Präsident des Evangelischen Kirchentages. Zusammen mit seiner Frau gab er einen biblischen Impuls und nahm an weiteren Veranstaltungen teil.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 22 des 56. Jahrgangs (im Jahr 2006).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 01.06.2006

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